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1794–1827

Das Mühlenleben.

Wilhelm Müller

Wenn sie Fliegennetze strickt, Oder Sonntags für die Fenster Frische Wiesenblumen pflückt; Seh' ich sie zum Garten wandeln,

Mit dem Körbchen in der Hand, Nach den ersten Beeren spähen An der grünen Dornenwand: Dann wird mir die Mühle enge,

Alle Mauern ziehn sich ein, Und ich möchte flugs ein Fischer, Jäger oder Gärtner sein. Und der Steine lustig Pfeifen,

Und des Wasserrad's Gebraus, Und der Werke emsig Klappern, 's jagt mich schier zum Thor hinaus. Aber wenn in guter Stunde

Plaudernd sie zum Burschen trit, Und als kluges Kind des Hauses Seitwärts nach dem Rechten sieht; Und verständig lobt den Einen,

Daß der Andre merken mag, Wie er's besser treiben solle, Geht er ihrem Danke nach — Keiner fühlt sich recht getroffen,

Und doch schießt sie nimmer fehl, Jeder muß von Schonung sagen, Und doch hat sie keinen Hehl. Keiner wünscht, sie möchte gehen

Steht sie auch als Herrin da, Und fast wie das Auge Gottes Ist ihr Bild uns immer nah. Und wo wer zum Fallen strauchelt,

Hält es ihn im Sinken schier, Und wo ich die Hände falte, Kniet es still zur Seite mir — Ei, da mag das Mühlenleben

Wohl des Liedes würdig sein, Und die Räder, Stein' und Stampfen Stimmen als Begleitung ein. Alles geht in schönem Tanze

Auf und ab, und ein und aus: Gott gesegne mir das Handwerk Und des guten Meisters Haus!

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