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1810

Das Hünengrab

Wilhelm Müller

Schon wieder hundert Jahre! Ich darf aus meiner Gruft Heraus die Blicke senden Und schöpfen frische Luft.

Die Luft so frisch wie immer, Das Meer noch dunkelblau, Die alten weißen Dünen, Die junge grüne Au'!

Du, Mensch, nur immer kleiner, Und größer stets dein Haus, Die Gräber immer enger – Wo denkst du, Mensch, hinaus?

Die erste Ruhestätte Für eine Spanne Zeit, Die bauest auf der Höhe So prächtig und so weit.

Und läßt dein Grab dir graben So eng', so kurz, so schmal, Dort zwischen dumpfen Mauern, Im tief versteckten Thal.

Dort mußt du lange wohnen, Dort ist dein rechtes Haus, Und darfst aus dem nicht gehen Auf Berg und Strand hinaus.

Schau' ich aus meinem Grabe, Ich schaue weit umher Den hohen blauen Himmel, Die Küsten und das Meer.

Das Meer, das ich durchschwommen Mit meinem starken Arm, Den Strand, wo ich gestanden In meiner Feinde Schwarm

Du guckst aus deiner Grube. In Wust und Graus hinein, In schwarze Föhrenschatten, Auf deinen Leichenstein.

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