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1810

Das Brautkleid

Wilhelm Müller

Die Flur hat angezogen Ein grünes seidenes Kleid, Die leichten schillernden Falten Umfliegen sie weit und breit.

Und unter der flatternden Hülle Schlägt ihre warme Brust, Die Winde wollen sie kühlen Und verglühen sich selber in Lust.

Es zucken die Sonnenstrahlen Herunter mit blitzendem Brand, Als möchten sie gern ihr versengen Das neidische grüne Gewand.

Sie ruft: Ihr Strahlen, ihr Winde, Mein Kleid laßt unversehrt! Es ward von meinem Liebsten Zum Brautschmuck mir bescheert.

Der Mai, so heißt mein Liebster, Er gab es zu tragen mir, Er sprach: Du sollst es tragen, So lang' ich bleibe bei dir.

Und wenn ich von dir scheide, So werd' es gelb vor Gram, Dann laß es von den Menschen Dir ausziehn ohne Scham.

Und leg' als nackte Witwe Dich nieder mit deinem Leid, Bis daß ich wieder kehre Und bring' ein neues Kleid.

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Das Brautkleid · Wilhelm Müller · Poetry Cove