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1810

An die Ungünstigen

Wilhelm Müller

Und laßt mir doch mein volles Glas, Und laßt mir meinen guten Spaß Mit unsrer schlechten Zeit! Wer bei dem Weine singt und lacht,

Den thut, ihr Herrn, nicht in die Acht! Ein Kind ist Fröhlichkeit. Es neckt und zeckt aus Zeitvertreib, Rückt aber Keinem auf den Leib

Mit hartem Stoß und Schlag; Es hat's auf Niemand abgesehn, Und Allen, die vorübergehn, Schickt es ein Schnippchen nach.

Wie groß und schwer die Leute sind, Was frägt danach das wilde Kind? Bleibt es doch leicht und klein. Es spritzt dem steifen Lachenicht

Ein Glas Champagner in's Gesicht Und kichert hinterdrein. So laßt ihm denn sein volles Glas, Und laßt ihm seinen guten Spaß

Mit unsrer schlechten Zeit! Seht nur nach dem, der Wasser schluckt, Und einsam in dem Winkel muckt, Und stumme Galle speit.

Er soll von altem Adel sein, Und erbt die Gicht durch Arm und Bein Schon von dem zwölften Ahn. Er heißt der Herr von Mißvergnügt,

Der Steine sä't und Wasser pflügt, Und doch nicht ernten kann. Vor diesem seid auf eurer Hut! Der Unmuth thut nicht eher gut,

Bis ihr ihn tauft mit Wein. Und soll das Werk von Statten gehn, So ladet zum Gevatterstehn Den Übermuth ihm ein.

Ungünstige gestrenge Herrn, Noch einen Becher leer' ich gern Auf euer Wohl zuletzt. Es geht auf Erden jede Kunst

Nach Brot und Wein, nach Dunst und Gunst, Und wohlfeil ist es jetzt.

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