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1810

Amor in der Vigne

Wilhelm Müller

Jüngst fand in einer Vigne Ich Amorn mit den Andern, Die zu den losen Streichen Ihm nimmer fehlen dürfen.

Die Kinder spielten Schaukel, Auf Weinguirlanden sitzend, Die hoch von Baum zu Baume Der Winzer pflegt zu ziehen.

Flugs riß die beste Schaukel, Und Amor lag am Boden, Umsonst nach Hülfe schreiend; Denn die Gespielen flohen

Und riefen: Diebe! Diebe! Aus vollem Halse lachend. Ich hob den armen Kleinen Vom Boden auf, befühlte

Die umgeknickten Federn Und stäubt' ihm ab die Locken. Da rafft' er sich zusammen, Und ohne mir zu danken,

Ging's fort, husch in die Lüfte! Noch stand ich, fast betroffen, Und sah ihm nach, dem Schalke, Da rief ein süßes Stimmchen

Gar drohend mir entgegen: Seid ihr der Dieb der Trauben? Es war das Winzermädchen, Und hinter ihr ganz leise

Hört' ich den Kleinen flüstern: Halt fest den losen Buben! Und sie hat's gut verstanden.

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Amor in der Vigne · Wilhelm Müller · Poetry Cove