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1810

Amor, ein Schneider

Wilhelm Müller

Amor ist ein Schneider worden, Näht die ersten runden Mieder Für die jungen Erdentöchter, Näht hinein viel kleine Seufzer,

Viele leise, blöde Wünsche, Bange Neugier, scheue Lüstchen, Und viel süßes Namenloses. Manche Nadel bleibt zerbrochen

Zwischen Zeug und Futter sitzen, Die nachher den Busen stachelt Und das Herz lebendig kitzelt. Auch manch Tröpfchen seines Blutes

Läßt der Gott aus Nadelwunden In das weiche Linnen fallen. Hütet euch vor solcher Waare! Denn die rothen Tropfen brennen,

Unaufhaltsam, unerlöschlich, Sich durch Adern, Fleisch und Nerven Bis in's tiefste Herzensgrübchen.

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