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1882

Wanderrast

Clara Müller-Jahnke

Hier laß uns ruhn; der Tag ist schwül und weit der Weg, mein Kind. Hier winkt ein Zeltdach schattig kühl, ein Sammetpfühl –

und leise singt der Wind. Hier laß mich ruhn, der ruhelos die Welt durchzog in Hast; am Silberquell im Waldesschoß

auf Laub und Moos blüht mir die Wanderrast. Nun birg dein Haupt, blondlockig Kind, an meiner Brust zur Ruh;

der Vogel ruft, es wirft der Wind uns weich und lind taufeuchte Blüten zu. Es singt der Quell ein Märlein alt

vom Knaben, welcher kühn die Wunderblume brach und bald im Felsenspalt viel Schätze sah erglühn. –

Dein Haar ist Gold, es will dein Mund rubinenrot erglühn – mich lockte der Schatz: in Waldesgrund seh ich zur Stund

die Wunderblume blühn.

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