Skip to content
1882

Thyrrenische Nacht

Clara Müller-Jahnke

Küsse mich, du! Der Himmel blüht wie lauter Granaten und Rosen. Flugfeuer von Lippe zu Lippe sprüht, und der Berg der ewigen Gluten glüht –

die Tiefen kochen und tosen. Und über das blaue thyrrenische Meer wandelt schweigend und düfteschwer sternenbekränzt in losen

Gewanden die Nacht einher. Ihr Schweigen tönt. Ich trage im Schoß die Ernten kommender Tage. Die Berge umspann ich leuchtend und groß,

bin stark wie das Meer und fessellos wie das Ewige, das ich trage. Mein Haupt umlodert der Lavaschein, der Weizen reift, und es schwillt der Wein –

der soll von Kälte und Klage der Welt ein Erlöser sein!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Thyrrenische Nacht · Clara Müller-Jahnke · Poetry Cove