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1882

Jahrwende

Clara Müller-Jahnke

Am altersgrauen Baum der Zeit ist eine Blume abgeblüht, und eine Knospe tut sich auf. Die Menschheit seufzt in gleicher Fron;

von ihrer müden Stirne fällt der Schweiß in Tropfen erdenwärts. Ihr Glaube aber träumt im Licht: vor ihren Sehnsuchtsblicken schwimmt

das Morgenrot des neuen Tags. Wie auch die Kette klirrt und drückt, der Zukunft Sturm zerbricht sie doch, – und jedes Jahr löst einen Ring.

Und jede Knospe, die erblüht am altersgrauen Baum der Zeit, birgt einen Keim der künftigen Frucht. So grüß ich dich, du neues Jahr;

du junge Knospe tu dich auf, und blüh' in lichtem Rosenrot! Des Friedens milder Maienwind umspiele deinen vollen Schoß,

der Liebe Geist befruchte dich! Und deine Düfte gieße aus, – mit Blütenblättern kränze du der Menschheit tiefgefurchte Stirn.

In des Jahrhunderts Niedergang sei du ein lichter Zukunftstraum, sei du ein Gruß der neuen Zeit!

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