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1882

Im Vorort

Clara Müller-Jahnke

Frühwinternacht, Sprühregen stäubt durch Vorortstraßen, stumm und leer; ein leises, dumpfes Donnern treibt der Nachtwind nur vom Bahndamm her.

Durch blätterlose Pappelreihn die blassen Nebel brau'n und ziehn – im Osten loht's wie Feuerschein: Da liegt Berlin.

Wie Feuerschein die ganze Nacht! Der Menschheit Wesen scheint vertauscht, wie hab ich oft, vom Traum erwacht, das ferne rote Licht belauscht!

Das sang mir durch die Zeit der Ruh die Mär vom ewgen Widerstreit, den Lockruf aller Lüste zu – und singt das alte Lied vom Leid.

Und durch den roten Dämmer schaun mich irre Augen heischend an: im Federhut erloschne Fraun, im Efeukranz der trunkne Mann,

und Kinder, zitternd, frostdurchbebt, – das stöhnt und kichert, schluchzt und braust: und aus dem Hexensabbat hebt sich hammerhart die Arbeitsfaust!

Frühwinternacht. Der Regen sprüht durch Vorortstraßen, tot und leer; ein funkelnd Höllenauge, glüht das Haltsignal vom Bahnhof her.

Durch blätterlose Pappelreihn die nächtgen Nebel westwärts ziehn – im Osten flammt's wir Frührotschein: Das ist Berlin!

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