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1882

Herbstakkorde

Clara Müller-Jahnke

Laublose Aeste strecken die Bäume wie flehend erhobene Hände gen Himmel,

und wo ich schreite: zu meinen Füßen ein dürres Rascheln, als glitte zur Seite

mir leicht der Tod . . . Im Hauch des Nordwinds flattert hoch oben im Wipfel der Eiche

das letzte Blatt. Wehe hernieder, einsames Blatt! Nieder zum Staub

müssen die bunten schimmernden Kinder des Lenzes alle; nieder zum Staub müssen die seligen

Blütenträume des Menschenherzens, müssen die stolzen Lichtgedanken der Menschenstirne – – und er selber, der Mensch,

der hochgewaltige, seelenbegabte Erdgebieter, nieder muß er, nieder zum Staub!

Du kennst sie, die ewigen wandellosen Gewalten – – was sträubst du dich?! Schärfer weht der Nordost.

Durch kahles Gezweig kichert und pfeift sein eisiges Gelächter . . . Einsames Blatt,

du sinkst!

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