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1882

Das ist der Geist

Clara Müller-Jahnke

Das ist der Geist, der um die Höhen kreist und der die Tiefen füllt: der heilige Geist. Kein hohles Ding, kein wesenloser Schein: lebendig Feuer und unendlich Sein.

Dein Auge sieht, dein Ohr vernimmt ihn nicht; ihn fühlt dein Geist, der Licht von seinem Licht! Er ist es, der im Lied des Dichters webt, der in des Denkers Stirn zum Höchsten strebt.

Er ist es, der den starren Stoff bezwingt, mit Formenreiz und Farbenglut durchdringt. Wer eine Welt voll kühner Schöpferkraft, wie sie ein Gott erfunden, nachgeschafft, –

Wer in der Forschung Tiefen sich versenkt und die Gedanken ewiger Liebe denkt, – und wer der Menschheit lichte Pfade weist aus Elends Nacht, ist Geist von seinem Geist.

Sein Odem weht, wo laut das Kampfhorn klingt, wo heiß das Volk nach Recht und Freiheit ringt; Sein Sturmwind braust und seine Flamme loht, wen er berührt, den rührt nicht Not und Tod.

Und ob er spräch in fremder Zunge Bann, verständlich wird sein Wort für jedermann. Vieltausend Flämmchen fuhren erdenwärts: in roter Lohe steht des Volkes Herz.

Der Zukunft Himmel ist ihm aufgetan, vom Sturm verstäubt der graue Lügenwahn. Die letzte Kette schmilzt im Wetterschlag – und Pfingsten kommt, der Völkerfeiertag.

Und über der erlösten Menschheit kreist auf Taubenschwingen licht, der Weltengeist.

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