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1882

Bergwanderung

Clara Müller-Jahnke

Wieder blüht das Heidekraut auf den spinnwebgrauen Wegen; über glatten Föhrenboden gleiten lautlos unsre Schritte

unserm Wanderziel entgegen: droben, wo der Bergwald blaut. Einmal schon zur Frühherbstzeit bin ich diesen Weg gegangen,

Höhensehnsucht in der Seele, blühnde Heide mir zu Füßen, fliegend Rot auf Stirn und Wangen und das Ziel noch meilenweit.

Droben, wo der Bergwald blaut, saß die Fee auf felsgen Zinnen; ihre weißen Hände winkten, ihre seidnen Schleier flogen

wie ein zart Geweb der Spinnen über Stein und Heidekraut. Einmal schon zur Frühherbstzeit ging ich fehl im Märchenwalde.

Sturmwind bog die Tannenwipfel. Fahl verschwammen alle Gipfel, und der Schnee fiel auf die Halde – du, wie liegt der Tag so weit!

Nimm den Strauß von Erika – hörst du fern die Häher rufen? Vor der Bergwelt Heimlichkeiten sind die Schleier all zerrissen –

über grauen Felsenstufen sehn wir schon den Gipfel nah!

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