Könnt' ich, o blühende Natur! All deinen Reiz besingen, Und jedem Hain und jeder Flur Ein dankbar Liedchen bringen!
Säng' ich die Morgensonne, die Dem Auge sich verstecket, Wenn schon der junge Schäfer sie Mit seiner Flöte wecket.
Die Freude, die mit einemmal Aus seinen Augen schimmert, Sobald der erste Sonnenstrahl Am Eichenwipfel flimmert.
Die Blumen, die mit Gelb und Blau Die Flur umher bemalen, Und durch den jungen Morgentau In höhern Farben strahlen.
Das Wäldchen, das, der Unschuld gleich, In weißen Flor sich hüllet, Und den beschilften Silberteich Mit Blüten überfüllet.
Der Pappel grüne Nacht, aus der Ein Turteltäubchen girret. Den Apfelbaum, um den ein Heer Von Maienkäfern schwirret.
Den Abend, der mit einemmal Den halben Himmel rötet. Den Hirten, der im letzten Strahl Dem Tag zu Grabe flötet.
Den Stern der Liebeskönigin, Der aus dem Westen blinket Und ins Gebüsch die Schäferin Zum trauten Schäfer winket.
Dianen, die das süße Glück Der Liebenden betrachtet Und mit hinweggewandtem Blick Nach gleichen Freuden schmachtet.
Und tausend Scenen – könnt' ich sie, Wie ich sie fühle, singen, Und allen Reiz der Harmonie Ins leichte Liedchen bringen:
Dann würde doch ein Jüngling mich Dafür an Busen drücken, Und manches Mädchen dankbarlich Mir ihren Beifall nicken.
Doch nicht die blühende Natur, Mit allem Reiz umgeben; Ach Götter! Daphnen kann ich nur Und ihren Reiz erheben.
Sie aber lächelt höhnisch, flieht, Und will der Liebe Lehren, Und will das minnigliche Lied Von ihrem Reiz nicht hören.
O Götter! lehrt sie doch, wie ich, Von Lieb' und Sehnsucht schmachten; Wo nicht, so lehrt die Spröde mich, Und ihren Stolz verachten!
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