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1782

Lied einer Nonne

Johann Martin Miller

Trocknet, milde Frühlingslüfte, Meine vielen Thränen auf! Send', o Abend, deine Düfte Zu der Zelle mir herauf!

Aber Philomele stimmet Wieder mich zum Klageton, Und in frischen Zähren schwimmet Mein erloschnes Auge schon!

Dank dir, liebe Philomele, Daß du in mein Leiden weinst, Daß mit einer frommen Seele Du zu Klagen dich vereinst!

Menschen, die mich schlau betrogen, Kennen kein Erbarmen mehr! Augen, die mir Liebe logen, Sind von Mitleidsthränen leer!

Aber treue Liebe füllet, Guter Mond am Himmel, dich! Meinem Auge gleich, verhüllet Deines in den Schleier sich!

Um die bleiche Wange wallen Weinende Gewölke nur; Und in Perlentropfen fallen Thränen auf die Blumenflur.

Rosen schließen, ungesehen, Sich im Klostergarten auf; Fromme Frühlingswinde wehen Ihren Wohlgeruch herauf!

Unbeklagt, wie ihr, verfärbet Sich, ihr Rosen, mein Gesicht! Liebe Rosen, warum sterbet Ihr auf meinem Grabe nicht?

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