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1772

Die Reue an Dortchen

Johann Martin Miller

Mit Thränen, Dortchen, denk' ich mir Die längstverlebten Stunden, Da treue Zärtlichkeit mit dir Mein junges Herz verbunden.

Im weichen Grase lag ich oft, Von Buchen überrauschet, Und sang, und sah mich unverhofft, O Glück! von dir belauschet;

Und drückte feurig dich ans Herz, Das dir entgegen strebte, Bis dort am Walde niederwärts Die goldne Sonne bebte.

Wie selig priesen wir uns da! Wär' auch ein Fürst gekommen, Mit Kron', und Reich, und Scepter, ha! Wir hätten's nicht genommen.

Für unsern liebetrunknen Sinn War all sein Glück zu wenig. Du warest meine Königin, Ich, Dortchen, war dein König.

Bis, von Verleumdung angefacht, Mich Eifersucht entbrannte, Und seelennagender Verdacht Aus deinem Arm mich bannte.

O Stunde, da ihr Taumelwein Mich Rasenden bethörte! Und ich auf deine Schmeichelein, Unschuldige! nicht hörte!

Vergieb, o Mädchen, kannst du noch Dem Irrenden vergeben! Wo nicht, so brich, o Tod, dies Joch, Und ende solch ein Leben!

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