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1772

Die Geliebte

Johann Martin Miller

Voll edler Einfalt lächle, Natur! wie du, Mir einst das Mädchen, das sich mein Herz erkiest: Sanft sei ihr himmelblaues Auge, Sittsamkeit wohne darin, und Unschuld.

Nicht Flittergold und Puppentand liebe sie, Den, mit dem Keim des Lasters, Lutetien Zuerst dem deutschen Mädchen sandte, Eh es der Unschuld Gewand verschmähte!

Zu groß, dem schnöden Schmeichler ihr Ohr zu leihn, Gefall' ihr mehr des Jünglings beredter Blick, Der ihr in herzensvoller Sprache Liebe gesteht, und um Liebe schmachtet.

Um schalen Scherz, und glühenden Wechseltanz Verlasse niemals sie den belebten Hain, Wo Nachtigallen im Gebüsche Gott und den düftenden Frühling preisen.

Im stillen übe, wenigen nur bekannt, Sie sich in jeder weiblichen Tugend, dann Erschall' ein keusches Lied am Abend Lieblich ins Silbergetön der Laute!

Ist dies, o Daphne, nicht dein geliebtes Bild? Ja, dieses sagt mein klopfender Busen mir. Du aber siehst mich an, und sinkest Hin an die Brust des geliebtern Jünglings!

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