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1772

Der Patriot an sein Vaterland

Johann Martin Miller

Süß ist der Name Vaterland, Wo Einigkeit mit festem Band Die Bürgerherzen kettet; Wo jeder gern durch eignes Blut

Des Nebenbürgers Hab und Gut Von Räuberhänden rettet. Wo auf dem Thron Gerechtigkeit Den Armen, der um Hülfe schreit,

Vor Unterdrückung schützet; Und, von der Unschuld Wehr umschanzt, In Lauben, die er selbst gepflanzt, Der greise Bürger sitzet.

Wo alle Priester Christen sind, Und kein Verführer unser Kind Zu niedern Lüsten reizet; Wo nur allein nach Sittsamkeit

Und Unschuld und Bescheidenheit Das zarte Mädchen geizet. Wo man das graue Alter ehrt, Auf Männerrat und Warnung hört,

Und offenherzig handelt; Auf guten, strengen Sitten hält, Und nicht die Einfalt erster Welt In neuern Prunk verwandelt.

O welch ein Bild! O Vaterland! Ich seh', das Auge weggewandt, Auf ewig dich nicht wieder; Und flieh', und bete noch für dich.

O, senkten meine Wünsche sich Doch bald auf dich hernieder!

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