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1639–1681

Verlangen nach dem Tode.

Heinrich Mühlpfort

Ich freue mich der letzten Stunde Die sonst dem Menschen Schmertzen macht. Geht Erd und Himmel selbst zu Grunde Was bin denn ich ein Wurm bedacht

Mein läimen Hauß die irdnen Wände Zu schätzen ewig und ohn Ende. Die Hand so mich zu erst erbauet Die reißt mich ihr Geschöpff auch ein.

Wem vor des Todes Pfeilen grauet Der kan kein Uberwinder seyn. Laß Fleisch und Blut das Leben lieben Die Seele muß sich anders üben.

Ich seh daß jeden Tag was stirbet; Ja daß der Leib ein Siechhauß heist; Wenn da bald Hand bald Fuß verdirbet Und das veralte Kleid zerschleißt:

So sucht der Geist sich frey zu machen Und wird der mürben Fessel lachen. Das Eisen rost’t die Steine brechen Porphyr und Marmor sind nicht vest.

Wie kan der schnöde Mensch doch sprechen Daß sich was Ewigs spüren läst In des verdorrten Leibes Beinen Den noch belebten Leichen-Steinen?

Drumb komm O Tod denn meine Seele Er schrickt ob deiner Ankunfft nicht. Zeuch sie aus dieses Cörpers Höle Zu jenem unumbschriebnen Licht.

Komm süsser Gast mein heiß Verlangen Ist schon bestellt dich zu empfangen. Ich bilde mir nicht dürre Knochen Und wie man dich sonst mahlet ein.

Wenn meine Augen sind gebrochen So wirds ein sanffter Schlaf nur seyn. Ein Thor der mag dich heßlich nennen Ich aber muß dich schön bekennen.

Das Grab das auch die Alten fliehen Nenn ich des Himmels Vorgemach. Der Kittel den man an-muß ziehen Scheint heller als der Sternen Dach.

Der Schlaf ist kurtz die Nacht ist enge Zu jenes grossen Tages Länge.

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