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1639–1681

Untitled

Heinrich Mühlpfort

Nach so viel Angst und Weh nach so gehäufften Schmertzē Kommt deine Friedenfarth Du trägst wie Simeon den Heiland in dem Hertzen Daß er auff solcher Bahn dir Licht und Führer sey.

Und solte nicht das Licht der ausgebreiten Heiden Der Glantz der Ewigkeit auch hier dein Leitstern stehn? Daß du mit Freuden kanst von dieser Welt abscheiden Und durch das wüste Reich der Todes-Schatten gehn.

Der abgematte Greiß stund gantz entzuckt in Wonne Als er das Kindlein sah den Herrscher aller Welt Sein Glaubens-Aug’ empfand die wahre Lebens-Sonne Die mit Gerechtigkeit und Trost ins Hertze fällt.

So trug der Simeon den Himmel auff den Armen Weil wer an JEsum glaubt den Himmel finden kan Und rieff: HErr nun ists Zeit ich preise dein Erbarmen Entlaß mich meines Diensts o GOtt es ist gethan.

Nun ich den Tag erlebt so wil ich gerne sterben Rath zu Jerusalem Welt Ehre gute Nacht! Mein wünschen ist erfüllt ich kan den Himmel erben Und mein Verlangen ist zum höchsten Zweck gebracht.

Auch du hast Mit Seufftzen und mit Flehn umb Rettung angesucht: Nun; die Erlösungs-Zeit kommt eben an dem Tage Daß du wie Simeon geneust des Glaubens Frucht.

Der hatte GOtt gedient und fuhr dahin in Friede Ein Hörer seines Worts als wie sein Name heist Von Jahr und Kräfften zwar doch nicht vom Glauben müde Als dessen Beystand war und blieb des HErren Geist.

Ach soll uns Sterblichen die letzte Fahrt gelücken Soll man die Bitterkeit des Todes schmecken nicht So müssen wir uns stets mit Glaub und Hoffnung schicken Versiegelt mit dem Geist daß uns nie Krafft gebricht.

Ach rieff der So schrumpfft ihr Himmel ein brecht Felsen Erde reiß! Mit rechter Hertzens-Lust eil’ ich zu meinem Grabe Da ich der Schmertzen Ziel der Freuden Anfang weiß.

Es sihet Simeon den Heiland mit den Augen Sein irrdisch Arm umbfast den dem die Welt zu klein Doch würde weder Sehn noch das Umbarmen taugen Wenn nicht des Glaubens-Arm ihn mehr geschlossen ein.

Des Glaubens rein Crystall zeigt’ auch dem Den Heiland welcher uns von Sünden hat befreyt Der das Gesetz erfüllt und die uns wider strebten Höll und den Tod zerknirscht erlangt Gerechtigkeit.

Wie aus den Wunden Hold Gehorsam in den Striemen Die Demuth in der Schmach die Sanfftmut in dem Spott Der Schächer selbst am Creutz am Heiland muste rühmen Daß des Versöhnungs Werck vollzöge Mensch und GOtt.

Hier fand der Des Geistes Freudigkeit der Gnaden Zuversicht Daß ob der Kranckheit Weh der Glieder Bau zerrissen So blieb sein JEsus doch Weg Warheit Leben Licht.

Den hat er ihm gesehn den ließ er sich nicht nehmen Wiewol des Creutzes Last offt unerträglich schien: Noch kont er seinen Feind Welt Fleisch und Blut beschämen Und wuste wie das Creutz der Christen ihr Gewin.

Mehr preiset Simeon entbrand von heilgen Flammen Den Heiland daß er soll ein Licht der Heiden seyn Daß was der Erden-Kreiß von Völckern bringt zusammen Sein Licht erleuchten wird in unerschöpfftem Schein.

Licht das Erkäntnüß bringt! Licht das bestrahlt die Seele! Licht voller Glaub und Trost! Licht das im Hertzen brennt! Licht aller Tugenden! Licht das der Gräber Höle Mit neuem Glantz umbgibt und ihre Nacht zertrennt!

Und dieses Licht erschien in seiner letzten Stunde Herr Meichsnern als er nun zur Hinfarth sich geschickt Damit sein Glaubens-Licht nicht konte gehn zu Grunde Und ihn des Todes Netz und Finsternüß berückt.

Er warff der Sünden Last auff des Erlösers Rücken Der aller Heiden Trost war seiner Seelen Heil Der die Mühseligen und Schwachen kan erquicken Gab ihm hinwiederumb an seinem Reich ein Theil.

Als endlich Simeon den Schwan-Gesang wil schliessen So rühmt er wie diß Kind sey Jsraelts Preiß Nicht Jsraels allein: Wer JEsum nur wird küssen Ist sicher daß bey ihm er Trost und Leben weiß

Dem GOtt der Herrligkeit des Ruhmes und der Stärcke Der uns den Sieg gebracht ja gar den Himmel schenckt Der seine Glieder uns durch Lieb’ und Wunder-Wercke Als Reben in den Stock gnadselig eingesenckt.

Wie ist nun so beglückt Der sich ins Leichen-Tuch mit seinem Heiland hüllt Trägt ihn in Arm und Hertz und fährt dahin in Frieden Gibt den erstarrten Leib daß man die Grube füllt.

Ach sanffte Friedenfahrt! Schlaff den ein ewig Wachen An jenem grossen Tag mit neuem Glantze ziert! Könt es der höchste GOtt mit Menschen besser machen Als wenn er graue Haar in seine Cammern führt?

Glückwünscht dem Betrübtste die ihr müst in Leid und Klage gehn Er hat nun allererst zu leben angefangen Die Seele schwebt bey GOTT sein Ruhm bleibt bey uns

Die Teutsche Redligkeit begleitet noch die Bahre Und rühmet daß er GOtt und Menschen treu gedient Daß Tugend er geliebt biß an den Schnee der Haare Jm Leiden im Gedult den Palmen gleich gegrünt.

Wol dem und über wol der bey so bösen Zeiten Fährt hin mit Simeon zu der verlangten Ruh! In dem wir übrigen mit Welt und Teuffel streiten Deckt den

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