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1639–1681

Umb Vergnüglichkeit.

Heinrich Mühlpfort

Zwey Dinge bitte ich O grosser GOtt von Dir Laß mich Genade HErr für deinen Augen finden! Kein Reichthum schencke mir Und laß hingegen mich nicht Armuths-Ketten binden!

Wie leichte könt’ ich nicht mich gar zu weit vergehn; So daß mein Hertze möcht an ird’schen Dingen kleben Weil kaum beysammen stehn Ein Geld ergebner Sinn und ein gottseelig Leben.

Ich baute meinem Gold eh Tempel und Altar Eh’ ich dich wahren GOtt mit reiner Andacht suchte Jhr schätzt es ohn Gefahr Wenn meinen schnöden Geitz gleich alle Welt verfluchte.

Wie viel hat nicht ihr Geld umb Seel und Leib gebracht Sie von dem Himmel-Weg der Höllen zu gezogen? Zu Knechten sie gemacht Des Vaters alles Trugs der sie hernach betrogen.

Und was ist Geld und Gold als ein vergänglich Koth? Was sind die Schätze mehr als Schlüssel zu den Sünden? Kommts an die letzte Noth Wo wirst du Rath und Trost bey deinem Klumpen finden?

Und wird beständig auch hier dein Vermögen seyn? Welch Zufall kan es nicht im Augenblick entwenden? Und wer viel sammlet ein Der schaut es noch zu letzt in frembder Leute Händen.

Der Müntze Korn und Schrott wie sehr es uns gefällt Ist zwar ein herrlich Ding im Leben nicht im Sterben: Denn es bleibt auf der Welt Und trifft zum öfftern an nicht einen danckbarn Erben.

Viel die so sehr gescharrt nach einem grossen Gut Die haben es hernach den Kindern nicht gelassen: Wenn Krieg wenn Glut und Flut Und ungetreue Freund es nach dem Tode fassen.

Ach wende doch mein GOtt mein Hertze gantz hinweg! Ich darff ein Weniges zum Unterhalt im Leben Und meiner Hoffnung Zweck Ist daß dein Vater-Hertz es mir wird gnädig geben.

Nimm bitt ich auch von mir des Armuths schwere Last! Was kan elenders seyn als steten Mangel leiden; Wo weder Ruh noch Rast Die Sorgen lassen zu die durch das Hertze schneiden!

Laß meinen Saamen nicht allhier nach Brodte gehn Noch in der Dürfftigkeit des Geistes Krafft ersticken. Der steigt nicht an die Höhe Den Kummer und Gebruch zur Erden nieder drücken.

Ich bin mit wenigem von deiner Hand vergnügt. Es soll mein Bissen Brod für dem mir besser schmecken Der stets zu Hofe ligt Und sieht halb hungrig an der Fürsten Tafel decken.

Zu dem darff die Natur so grossen Vorrath nicht: Das beste Gastmahl ist ein fröliches Gewissen. Wem dieses schon gebricht Der wird bey bester Kost nur Gall und Gift geniesen.

Wenn die Vergnügung nur mit mir zu Tische sitzt Vertrauen auf dich’ HErr mit mir zu Bette gehet; Mich deine Macht beschützt; So frag ich weiter nicht wie der und jener stehet.

Er halte diesen Muth befeste diesen Sinn Biß endlich ich den Lauff des müden Lebens schliesse: Denn nimm mich zu dir hin Wo ich des Lebens-Brod den Kelch des Heyls geniesse!

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