Skip to content
1639–1681

Um Gottesfurcht.

Heinrich Mühlpfort

Ovater aller Güt ich klage dir mit Schmertzen Die Bosheit meiner Seel und Gift in meinem Hertzen Die mich so gar besessen Daß ich O höchster GOtt!

Hab überall vergessen Dein Heissen und Gebot. Ach keine Gottesfurcht ist mehr vor meinen Augen Die leyder gäntzlich dich recht zu erkennen taugen.

Dich kan ich ja nicht lieben Noch alß ich Armer soll In deiner Furcht mich üben Das fühl ich gar zu wohl.

Es ist ja meine Sünd und Boßheit nicht zu messen Offt hab ich dein Gesetz O grosser GOtt vergessen Offt laß ich mir gefallen Die Wollust dieser Welt

Der leyder ich für allen Mich täglich dargestellt. Ich seufz: O frommer GOtt! du wollest mir vergeben Daß ich in Sicherheit verbracht mein junges Leben

Indem ich nicht gescheuet Die Straffe die mir dort Von dir ist angedräuet Mir längst in deinem Wort.

Es ist dich fürchten ja die wunderschöne Tugend Der Weisheit höchster Schatz die Meisterin der Jugend Wohl dem der diese kennet Und klebet fest ihr an

Der wird ein Christ genennet Der GOtt gefallen kan. Noch ferner bitt ich HErr du wollest von mir nehmen Mein angeborne Sünd und kräfftig in mir zähmen

Das Böß in meinem Willen Samt der Vermessenheit Benebenst dem auch stillen Den Spott der Ewigkeit.

Gib deinen guten Geist den Geist der Furcht des HErren Und laß mich nur in ihr mein gantzes Hertz versperren Daß ich an allen Orten Wo ich auch immer sey

Mit Wercken und mit Worten Für deinem Zorn mich scheu. Erwecke wahre Reu und Leyd in meinem Hertzen Daß ich mein eitles Thun beweinen mög mit Schmertzen.

Und daß ich ja beklage Mehr meine Missethat Als deinen Zorn und Plage Die mich ergriffen hat.

O seelig werd ich seyn im Fall ich kan erkennen Daß du mein GOtt gerecht ich aber böß zu nennen Ja daß ich billich leide Die wolverdiente Pein

Und weil ich selbst mich scheide Von dir muß straffbar seyn. Verleyh mir höchster GOtt weil ich noch leb auf Erden Daß ich der Sünden gram und hertzlich feind mag werden.

Als welch ohn allen Zweiffel Fürlängst entsprossen ist Von dem verfluchten Teufel Durch Lügen Trug und List.

Wenn auch des Creutzes Last mich grausamlich wird drücken So wolle deine Gnad O GOtt nicht von mir rücken. Du kanst mein Elend stillen Und schnell erretten mich

Umb deiner Güte willen Das glaub ich festiglich. Bewahre meine Seel und innerste Gedancken Daß sie von deiner Furcht in Ewigkeit nicht wancken.

Besondern nach dir sehen Herr GOtt zu jeder Frist So wird nicht leicht geschehen Was dir zuwider ist.

Mein innerliches Aug HErr bleibe stets gerichtet Auf dich daß alles was mein Hertz und Sinn ertichtet Nach dir allein sich lencke Sowol in Lust als Leyd

Hülf daß ich stets bedencke Die Pein der Ewigkeit. Gib Gnade daß ich mög in allen meinen Sachen Den Anfang und das End in deiner Liebe machen

Darzu für allen Dingen Einst hertzlich zu dir schrey Dann wird mein Thun gelingen Es sey auch was es sey.

Ach laß mich HErr ja nicht von deiner Furcht abwenden Lust Reichthum Ehr und was die Seele sonst kan schänden Wenn mich gleich alles plaget Dennoch so tröstet mich

Dein Wort was dieses saget Dem glaub ich festiglich. Erbarmen Seegen Gnad Errettung Hülf und Leben Erhaltung Weißheit Trost und Heyl wirst du mir geben

O treuer GOtt regire Mir kräfftig Hertz und Sinn Daß deine Furcht mich führe Biß ich vergraben bin.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Um Gottesfurcht. · Heinrich Mühlpfort · Poetry Cove