Wohl-Edler Herr Pirenens Quellen Der Hippocrenen Silber-fluth Des Pindus Lorber-reiche Stellen Der Mufen heil’ge Dichter-gluth
Apollo selbst mit Harff und Lauten Die würden ihm zu Dienste stehn Wenn unter seiner Trauer-Rauten Parnassus Blum-Werck könt’ aufgehn.
Und solten sie nicht diesen ehren Der längst zu ihrem hohen Ruhm So schöne Lieder lassen hören Die Pallas nennt ihr Eigenthum?
Der längst ins Buch der Ewigkeiten Durch kluges Schreiben sich gepregt Dem opfferten sie Klang und Seiten. Ach würde so sein Leid gelegt!
Allein wenn zwey vermählte Hertzen Des Todes eisern Arm zerbricht. So wird durch so ergrimmte Schmertzen Fast Geist und Seele hingericht.
Wenn dieses Das unaufflößlich schien zu seyn; So bleibet auch kein Held nicht stehen Er lässt sich Trauren nehmen ein.
Wohl-Edler Herr er muß ja klagen Nun bey der Jahre grauem Schnee Die Liebste wird dahin getragen; Nun nach so Seegen-voller Eh
Er sol in öden Einsamkeiten Beschliessen seines Lebens Rest. Schmertz der die Seele kan bestreiten Und aller Hoffnung Licht ausbläst!
Bevor wenn er zurück gedencket Wie bey verkehrter Läuffte Zeit Da Krieg und Brand das Land gekräncket Die Pest die Menschen abgemeyt
Die Theurung alles auffgerieben; Sie in beständigster Gedult Des Ehristenthumes treu geblieben Und ihn erquickt mit Lieb’ und Huld.
Ja wie sie auch zwo Stammes-Säulen Beglückt gebohren an das Licht So von der Parcer Mörder-Pfeilen Jm ersten blüh’n zwar hingericht
Und wie vor zweymahl vieren Jahren Der schönen Tochter Anmuths-May Den längst-erblasten Leichen-Schaaren Wurd’ ebenfalls gesellet bey.
Da eckelt ihm fort mehr zu leben Weil seiner Augen Lust dahin Und was ihm konnt’ Ergetzung geben Den Sterbe-Kittel must’ anziehn.
Wenn nicht der Liebsten Trost und Pflegen Der Schmertzen Bitterkeit zertheilt Und mit erseufftztem Himmels-Seegen Die tieffen Wunden zugeheilt.
Nun aber so viel edler Gaben Der müden Jahre bester Rath Jhm wird entzogen und begraben Klagt wer nicht Stahl im Hertzen hat
Mit ihm sein gantz verlaßnes Leben Wohl-Edler Herr daß Einsamkeit Jetzt soll sein Trauer-Hauß umbgeben Und aller Trost fällt von der Seit.
Jedoch ihm ist der Bau der Erden Und unser Hingang wol bekand. Muß Erd’ und Himmel Asche werden Was hat denn ewigen Bestand?
Sein unerschrocknes Hertz und Sinnen In Noth und Unfall höchst bewehrt Die werden hier auch schliessen können Daß bloß der Tod den Leib verzehrt.
Sein Leid wird auch die Zeit verbinden Gedult legt alle Schmertzen hin. So wird er auch im Pindus finden Was tröstet den betrübten Sinn:
Er kan mit den gelehrten Büchern Darauff die Nach-Welt sehnlich hofft Sich eines steten Ruhms versichern Und trotzen Libitinens Grufft.
Er hat so vielen längst gegeben Das Kleinod der Unsterbligkeit. Und wo nur ewig bleibet leben Was der Poeten Feder schreibt;
So wird er mehr als Orpheus preisen Der Abgelebten Tugend-Lauff Und seine Liebe zu erweisen Jhr ein Gedächtnüß setzen auff.
Mnemosyne und das Geschwister Der drey-gedritten Musen-Schaar Setzt ihren Ruhm ins Zeit-Register Apollo krönt die schwartze Bahr
Mit unverwelckten Leid-Cypressen Und setzet dieses Zeugnüß bey Daß ihre Tugend nicht vergessen Noch wie der Leib begraben sey.
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