Als früh das Morgen-Licht den Him̃el uns entdeckte Und sein blau Angesicht mit Rosen übersteckte Ging Charimildens Fuß des Wetters zu geniessen An einem hellen Fluß den Blumen rings umbschlies-
Sie trieb die liebe Schaar der Wollen-reichen Lämmer; So schon gefüttert war an jene Seit’ der Tämmer. Und daß nicht ihre Lust ein Coridon betrübte Hat sie den Ort gewust den Einsamkeit beliebte.
Es stund ein dicker Wald mit frisch belaubten Myrten Der Rymffen Auffenhalt die Höle müder Hirten; An dessen Schatten-Nacht sie ihr Gemüth ergetzte Daß sie sich bey der Pracht der Bäume niedersetzte.
Sie zog den schwartzen Flor von ihren Rosen-Wangen. So kommt die Sonn hervor im Purpur-Glantz gegangen. Das Haar flog Kercker An denen ein Türkoß Rubin und Demant hinge.
Sie saß voll Lieblichkeit bey ihren fetten Heerden. Es wuchs ein Anmuth-Streit in zierlichsten Geberden; Biß daß der Finger Schnee sich noch beliebter machte Und von der Sinnen Höh’ ein fertig Lust-Lied brachte.
Die Alabaster Hand lieff hin auff die Claviren Und war sehr wohl gewandt den reinsten Thon zu führen. Der Wald stund gantz entzuckt die Vögel gantz bethöret Und schätzten sich beglückt daß sie den Klang gehöret.
Geht sang sie meine Schaf; und brauchet eure Weide: Es macht mir nicht der Schlaf so angenehme Freude Alß wenn ihr munter springt und euch bey meinem Stande Den mir die Freyheit bringt nehrt in dem guten Lande.
Hier ist ein freyes Feld ein Schauplatz meiner Sinnen Da ich nicht wie die Welt darff Liebes-Gifft gewinnen. Die Seele bleibet rein als wie ihr reines Wesen Und wird bgierig seyn nur Tugend auffzulesen.
Wenn die in Flammen kocht und weiß sich nicht zu halten; Jen’ auff den Liebsten pocht und seine Lust-Gestalten. Die über Meineyd klagt und des Cupido Pfeile So sitz ich ungeplagt in guter Ruh und Weile.
Ein Pusch ein frischer Brunn ein blühendes Gesträuche Schafft mir mehr Freud’ und Wonn’ als wenn in Venus Reiche Der Liebe Natur quillt dieweil sein schönes blincken Vor Leib und Leben gilt bey denen die ihn trincken.
Weg Wollust! meinen Geist den kanst du nicht bezwingen. Er ist der dir zerreist das Netze samt den Schlingen. Und Weil offt die Thränen Fluth sie wieder weg muß waschen.
Indessen hatte schon weil sich die Charimilde Ergetzt durch Klang und Thon in lustigem Gefilde Der Sonnen Feuer-Rad das Mittel überschritten Und auff der Weide Pfad ihr Vieh die Hitz erlitten.
Drum trieb sie schleunig ein dem Mittag zu entweichen Biß sein beschwerlich seyn beginnet zu verschleichen. Denn gehet Charimild und ihre Schafe wieder Wo sie die Lust gestillt durch Zucker-süsse Lieder.
Als nechst ein schöner Tag den Himmel aus gekläret Und neuen Sonnenschein dem Feld und Wald bescheeret Ist wo der Und umb das Rosenthal die breiten Armen schrenckt
Der Schäffer Und haben Raum und Ruh bey einem Baum genommen Die Gürtel aufgelöst die Taschen abgelegt Sich in das Graß gestreckt wie sonst ein Hirte pflegt.
Drauff ihre Noth geklagt wie sie die Liebe frässe Und als ein nagend Wurm in ihrem Hertzen sässe Daß weder Noth noch Zeit veränderte die Pein Und daß die Liebe müst’ ein brennend Feuer seyn.
Biß endlich Wie seine Als irgend eine mag. Der Wir streiten durch ein Lied wer Seine loben soll.
Und drauff sang Der Sommer muß dem Herbst der Herbst dem Winter weicher. Die Nacht verhüllt den Mond; nur deiner Augen Licht O schöne
Kein Apffel färbt sich so als Lippen Mund und Wangen Der Schnee hat sich zugleich umb Brust und Halß gehangen. Und ob des Winters Frost dem Baum die Blätter raubt So ist der Glieder May mit Kräntzen doch belaubt.
Die schöne Chloris ist mein’ andre Morgenröthe; Seht ob ihr Angesicht nicht alle Blumen tödte? Sie ist mein Westen Wind der mich beleben kan. Sie eine Königin und ich ihr Unterthan.
Das schwartz-geflochtne Haar gleißt schöner als die Raben; Und Lust und Liebe wil bey ihr die Wohnung haben Die Erdbeer ist nicht roth für ihrer Lippen Schein Die Brüste reiffen so wie Trauben voller Wein.
Wie junge Pirschbäum blühn so lacht der Galatheen Liebreiches Angesicht: und wo sie kommt zu gehen Da spriessen Rosen auf. Die Milch ist nicht so rein Als ihre klare Zähn und weisse Hände seyn.
Wie offt zwo Kirschen sich an einen Stengel hängen So sieht man auch die Brüst’ ergetzlich sich vermengen Und sind zwey Rehen gleich die in den Lilgen gehn Zwey Bergen die bedeckt mit Schwanen-Federn siehn.
Ein Blumen-reicher Lentz wächst auf der Chloris Brüsten Man sieht in ihrem Schos der Liebe Tauben nisten. So süß als Honig schmeckt und süsser ist ihr Mund. Was mehr. Mein Lieben ist den Sternen selbsten kund.
Wenn bey verschwiegner Nacht der Monden uns geschienen Und ich mein Lieb geführt in dem betäunten Grünen Wie mancher Kuß hat mich zu einem Gott gemacht Ich habe nicht ans Hauß noch an mein Vich gedacht.
Die Muskateller Birnschmeckt nimmermehr so süsse Als meiner Galathee frey ausgelaßne Küsse Ich mag nicht Honigseim nicht fetten Ram und Sonn Jhr milder Lippen Mostvergnügt mein Lieben schon.
Ich habe nechst im Wald ein Haselhun gefangen Das bring ich zum Geschenck, und wenn der Herbst vergangen So leß ich von der Heerd das beste Schaf ihr aus Und kröne sie und mich mit einem Blumen Strauß.
Ein ander mag auf Schaf und fette Heerden pochen. Zwey Turtel-Täubelein so neulich ausgekrochen; Sind mein Geschenck und Gab; mehr Reichthum mangelt mir. Doch Chloris ist vergnügt; mein Schatz ist ihre Zier.
Ich bin ihr höchstes Gut der ärmste von den Hirten Der reichst an Lieb und Gunst. Die aufgewachßnen Myrten So nechst am Hofe stehn sind Chloris auch geweyht Biß ihre zarte Hand den Braut-Krantz zubereit’t.
Mein Himmel Galathee ihr’ Augen meine Sonne Jhr Haar ein golden Netz das Venus hat gesponnen. Die Lippen von Corall der Halß von Helffenbein Die Brüst’ von Flam̃’ und Schnee der Bauch von Marmelstein
Sticht allen Zierath hin. Noch keine Schäfferinnen Hat reiche Galathee dir jemals gleichen können. Zu dem damit du siehst daß ich kein Bettler bin So nimm zum Braut-Geschenck den güldnen Gürtel hin.
Mein Kleinod das ich geb ist Chloris nur mein Hertze Und eine treue Seel des Liebes-Opffers Kertze. An Reichthum bin ich arm an Armuth bin ich reich. Obschon dein Angesicht nicht Sonn und Himmel gleich
So hab ich doch bey dir was ich geliebt gefunden. Die treue Redlichkeit hat mich vielmehr verbunden Als theure Pracht von Gold. Und reiner Liebe Sinn Ist über Geld und Welt ein prächtiger Gewinn.
So waren sie entbrant fast gar aufs schärffste kommen Biß unterdeß die Sonn am Himmel abgenommen Und dicker Rauch und Dampff aus ihren Höfen gieng Daß endlich
Mein Und wer in Liebe brennt der liebt offt Stock und Steine. Doch trennt die Liebe nicht der Freundschafft altes Band. Ich bleibe Galatheen du Chloris zugewandt.
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