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1639–1681

Moluccische Manucodiata oder Paradiß-Vogel Bey Beerdigung Fr. E. M. v. M. g. H. den 2. Julil 1673.

Heinrich Mühlpfort

Der Griechen Leichen-Dienst den theils jetzund verüben Nachdem das Türcksche Joch sie gantz bewältigt hat Stellt zwar Exempel vor von ihrem treuen Lieben Doch findet Aberglaub’ allda die meiste statt.

Denn wenn Mann oder Weib von hinnen abgefahren Hat man des Grabes Ort mit einem Pfal beehrt Dran Thiere Hirsch und Reh gehenckt in Bildern waren So von des Todten Ruhm und Eigenschafft gelehrt.

Sie zeigten so die Treu und Fleiß in den Geschäfften Ja was ein Ehgatt mehr dem andern Guts gethan Sie raufften gar ihr Haar und liessens daran hefften Die Tieffe ihres Leids hierdurch zu melden an.

Doch eitler Aberwitz! Wir die wir CHristum kennen Und in dem Gnaden-Bund der Kinder GOttes stehn Die wissen unser Leid weit anders zu benennen Wann über unsern Kopff so schwartze Wolcken gehn.

Denn daß In Jammer-Fluthen schwim̃t ist nicht verwunderns werth Weil der ergrimmte Schlag von einem solchen Schmertze Recht durch den Mittel-Punct der treuen Seele fährt.

Es wird sein bester Schatz der Außzug aller Freuden Des Hertzens halber Theil in ihren Sarch gelegt. Er siht jetzt Lieb und Treu von seiner Seiten scheiden Und wie die Asche man davon zu Grabe trägt.

Er misst die Tugenden so ihn vorhin ergetzet Des Hauses Wachsamkeit hat sich nunmehr verwacht: Die Mutter so beglückt an Söhnen ward geschätzet Die Kummer-Wenderin geht in die lange Nacht.

Er darff nicht erst ihr Grab mit einem Bild bekräntzen So lange sie gelebt war sie der Tugend Bild: Sie wiech nach Schnecken-Art nicht aus des Hauses Gräntzen Die stille Frömmigkeit blieb stets ihr Ehren-Schild,

Doch weil es Christlich ist und es auch rühmlich heisset Daß man der Todten Ruhm der Nach-Welt einverleibt Und ihr so reines Grab von eigner Zierath gleisset Die in Gemüthern blüht und stets beständig bleibt

So soll ein Vogel jetzt ihr Angedencken ehren Der von dem Paradiß den schönen Nahmen führt Der die Unsterbligkeit kan durch sein Vorbild lehren Und der

Molucco sendet ihn aus seinen reichen Inseln Wo Nelcken Mastix Zimm’t in reichster Fruchtbarkeit Es kan der Mahler Hand mit allen ihren Pinseln Erreichen nimmermehr der Farben Unterscheid:

Es war die S Denlängst der Käyser Gunst in Adel-Stand gesetzt Der Nach-Ruhm meldet noch auff mehr denn hundert Zungen Wie hoch der

Es gläntzt des Vogels Haupt mit grün und blauen Straalen Biß ein recht göldner Schein der Farbē Schmuck vermehrt. Sie konte der Saphir der seltnen Keuschheit mahlen Der Reinligkeit Smaragd wurd überall geehrt.

Des Vogels Feuer-Glantz scheint Sternen ob zu siegen Weil wunder-schöne Zier den gantzen Leib besternnt: Sie hat mit Tugenden den Pöbel überstiegen Und mehr als güldne Zucht von Jugend auff gelernt.

Mehr ist nur Himmels-Thau des zarten Vogels Essen; Jhr war die heilge Schrifft das wahre Himmel-Brodt Sie hat nie bey der Lust der schnöden Welt gesessen Weil ihr Veranügen stund nur bey dem höchsten GOtt.

Denn sagt der jenen Mund so die Natur durchgangen Und ihre Heimligkeit der Nach-Welt kund gethan Daß nie der Vogel sich an einen Baum gehangen Er ruhte schwebende auff blauer Lüffte Bahn.

Es taurte Tag und Nacht sein unablässig fliegen Und dieses schien ein Bild der steten Ewigkeit. Es man nun dieser Schluß ob-oder unterliegen Ich bin jetzt nicht geschickt zu schlichten diesen Streit:

Das ist doch einmah! wahr daß der entseelten Frauen Entbrandter Himmels-Geist dem Vogel gleiche kam Und ließ bey Andacht mehr sich als der Wollust schauen Weil sie der Sinnen Fahrt nur nach dem Himmel nahm.

Sie hat auch nie geruht in deß Beruffes Schrancken Mit Embsigkeit und Treu versorgt des Hauses Heil. Bedacht wie sie erfüllt deß Eh-Gemahls Gedancken Weil seiner Wolfarth Nutz auch ihrer Wolfarth Theil.

Der Manucodiat haßt Heck und dick Gesträuche Fleucht sumpfichten Morast und Pflützen voller Schlam: Sie nicht mit minderm Grimm die üppigen Gebräuche Als die ein lockend Gifft der Sunde Brut und Sam’.

Und solt ihr edler Geist noch hier auf Erden schweben? Wo Untreu List Betrug der Menschen Klugheit heist Wo wie im Vogel-Leim die Seelen bleiben kleben Und auf Verstellungs-Kunst der Mensch sich nur befleist.

Und wie dem Vogel nutzt sein fliegendes bemühen Weil ihn kein Garn berückt kein Vogler leicht nicht fängt So kan die Lust-Siren den niemals nach sich ziehen Der wie die

Es freut der Vogel sich je näher er der Sonnen: Welch Mensch der wolte nicht der Engel Nachbar seyn? Auß Liebe gegen GOtt ist sie als Wachs zerronnen Weil sie hat weich gemacht deß Höchsten Allmacht Schein.

Wenn diß Fällt euren Sinnen bey und Zeit und Ewigkeit Auf gleiche Schalen legt ich weiß es übersteiget Der wolgetroffne Tausch das Jammer-reiche Leid.

Zwar daß der Mutter-Hertz nicht solt in Stücken springen Wann sie ihr eintzig Kind ihr Kleinot scharrt in Sand: Und daß Schilt auch kein Hertze nicht das hart als Diamant.

Alleine weil sie war so an das Liecht gebohren Daß Auf- und Untergang ihr an der Seiten stund Hat sie zum Hauß der Ruh das Paradiß erkohren Unb gleich dem Labyrinth geacht der Erden Grund.

Es wächst in Mexico auch eine solche Blume Die auff den Blättern recht des Vogels Federn trägt Sie sprost auch der Artzney nicht zu geringem Ruhme Weil sie der Brust zu gut des Magens Schmertzen legt.

Ich wünsche daß die Blum auß seinem Ehe-Garten Jhm noch Denn wenn erreifferwegt der seltnen Tugend Arten So schläfft der Balsam noch des Traurens Unmuth ein.

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