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1639–1681

Liebes-Wurm.

Heinrich Mühlpfort

Nun frische Myrten sich umb seine Scheitel winden Nun ihm die Juno hat das Braut-Bett aufgesetzt So soll sich werther Freund auch unsre Pflicht hier findē Und bringen ein solch Lied das Hertz und Seel’ ergetzt.

Zwar wenn Cupido nur die Feder wolte führen Und jede Gratie in jeder Zeile stehn Es sollt’ ein solcher Klang ihm das Geblüte rühren Das aller Adern Puls weit stärcker würde gehn.

Alleine Venus ist sehr karg mit ihren Gaben Sie flöst uns nicht den Thau verliebter Reden ein; Die Anmuths-volle Schaar der nackten Flügel-Knaben Will uns in diesem Werck gar nicht behülflich seyn.

Wir dencken hin und her die Schuldigkeit zu leisten Und solches Sinnen macht in dem Gehirne Sturm; Doch endlich schliessen so einhellig fast die meisten Es sey dem Bräutigam geschenckt ein 1.

Der 2. heist die Liebe kalt ein ander nennt sie Feuer Dem ist sie ein Magnet und jenem Gall und Gifft: Wir sagen daß die Lieb ein schönes Ungeheuer Ein angenehmer Wurm der nichts als Freude stift.

Der Mensch ist selbst ein Wurm und soll nicht 3. Würmer hecken? Jedwedes Glied das ist mit Würmen angefüllt Und in dem 4. Hertzen selbst da werden Würme stecken; Welch Momus ist nu da der unsern Leh

Die Sappho wäre wol von Felsen nicht gesprungen Leander durch die Fluth geschwummen bey der Nacht Es hätte nicht ein Schwerdt der Dido Brust durchdrungen Und Venus den Adon zu einem Gott gemacht

Wenn nicht ein Liebes-Wurm ihr Hertze so durchwühlet Welch Mensch lebt auf der Welt von diesen Zügen frey? Man sieht wie die Natur schon in den Kindern spielet Und wie der Jugend Lentz voll solcher Gauckeley.

Der Wurm 5. wächst mit der Zeit wie Blumen mit den Tagen Die erste Witterung entspringt in dem 6. Gehirn. Man mag die Aertzte nur umb klares Zeugnüß fragen Er sitzt im Vordertheil und meistens an der Stirn.

Denn wird der Mensch verwirrt denn straucheln die Gedancken; So oft ein schönes Bild sich nur den Augen weist So laufft Witz und Vernunfft aus den gesetzten Schrancken Denn foltert erst der Wurm den Liebs-gefangnen Geist.

Das Frauenzimmer kan hierüber witzig sprechen Es kennt den starcken Trieb ders Gegentheil entrückt Wenn so viel Seuffzer aus den matten Hertzen brechen Und man nach einem Kuß viel tausend Wünsche schickt.

Die Pein die wird geklagt den Monden und den Sternen Daß derer Einfluß doch der Göttin Hertz erweich Und daß ihr hold Gesicht sich wolle nicht entfernen Sonst führe man verblast hin in der Parcen Reich.

So tummelt sich der Wurm denn sinckt er in die 7. Augen Da laufft man in der Stadt die Gassen auf und ab Sucht Psyllen die das Gift sind mächtig auszusaugen Setzt kriegt man nicht Gehör oft weiter seinen Stab.

Und weil die Augen sonst die Führer in dem Lieben So ists nit Wunderns werth daß sich der Wurm hier zeigt. Er kan der Buhler Hertz erfreuen und betrüben Nachdem er sich gekrümmt auf Schlangen-Weise neigt.

Er sitzt auch im 8. Gehör; denn wenn die Chloris singet Und ihr Sirenen-Klang bezaubert Hertz und Ohr Wer mercket nicht alsbald daß hier der Wurm erst springet Und Salamandern gleich mit Flammen bricht hervor

Wenn er das hohe Schloß des Hauptes so durchkrochen Und allen Uberfluß der Anmuth hat erregt So fällt er auf die 9. Zung’ und hält da gute Wochen Weil Venus ihm Confect und Marcipan aufträgt.

Die Schalen sind Rubin so von der Liebsten Munde Holdseeligst ausgehölt in schöner Ordnung stehn. So bald der Seiger nur schlägt die bestimmte Stunde So wird der Wurm entzückt aufs Spiel der Freuden gehn.

Der Liebe Schwefel-Holtz 10. den Kuß hat erst entdecket Ein Wurm wie uns der Mund der grauen Zeiten sagt. Denn als ein Bienenstich die Leßbia beflecket Und sie umb Hülf und Rath die Weisen ausgefragt

Ward ihr der Männer Mund zur Artzney vorgeschrieben. Dann wann der Zungen Wurm im küssen so vermischt Hat er die Seelen selbst auf diesen Platz getrieben Wo auf dem Lust-Corall der Liebe Nectar jischt.

Hier machet offt der Wurm ein Wetter der Begierden Wenn er von Lieb entbrant die Zucker-Rosen bricht. Nachdem er sich ergetzt in des Gesichtes Zierden So übt er seine Macht haucht züngelt beist und sticht

Daß die Empfindlichkeit durchdringend muß empfinden Wie aller Regungen Urheber ist ein Wurm; Wie er den ersten Grund der Adern kan ergründen Fährt tieffer als ein Thal und höher als ein Thurm.

Deß Lebens in Begrif das Hertze bleibt nicht sicher Da hält der Liebes-Wurm die schönste Rennebahn; Wenn er da einquatirt durchfrist er keine Bücher Denckt wie er weiter nur sich immer wühlen kan.

Die 11. Lunge hebt er auf daß nicht die Krafft gebreche Wenn er die 12. Leber schon hat in den Brand gesteckt Daß seinen Vorsatz nicht des Miltzes Unruh schwäche Hat in die 13. Nieren sich er ausgedöhnt gestreckt.

Wenn dann die Glieder in dem Leibe so zerrittet Das Eingeweide von dem Wühlen wird durchbohrt. Wird bey des 14. Nabels Schluß der Wurm erst ausgeschüttet Da er sich wesendlich weist am benimmten Ort.

Herr Daß man den Liebes-Wurm so starck bey Menschen spürt; Wir wollen ihm dabey die Heimlichkeit entdecken Daß auch der Liebes-Wurm das Frauenzimmer schürt.

Mund Auge Naß und Ohr sind eben mit besämet; Doch wohnt er sonderlich auf ihrer Lilgen-Brust Wenn offt das Mädgen sich zum aller höchsten schämet So denckt es Wurm ach Wurm! mein schaffe mir doch Lust.

Noch mehr; der 15. Bauch-Wurm ist bey ihnen gantz gemeine Sein Kützeln achten sie oft für ihr höchstes Gut. Richt Schätze Perl’ und Geld des Morgenlandes Steine Ergetzen wie der Wurm das Zunder-reiche Blut.

Sein Wesen wissen sie nach Kunst gar hoch zu heben; Ja daß kein Wetter nicht von aussen ihn bestreicht So werden sie ihm Platz tieff in der Mitten geben Und tragen ihn gar gern mehr schwer als gar zu leicht’

Es ist ihm nun entdeckt Herr Und beyder Hertzen sind im lieben angeflammt; Jtzt fragt sichs wie er sich recht angenehme mache Wie er mit einem Wurm erfüll’ sein liebes-Ampt.

Es giebet 16. rauche Würm’; und will er einen schencken? Es wachsen lange 17. Würm’ und ungeheuer groß. An 18. tausend-füssige will man itzt nicht gedencken. Er geb ihr einen Wurm den 19. Wunder-Wurm in Schos.

Die Jungfern werden wol ob diesem Wort erstarren Erwägen daß ein Wurm sey ein abscheulich Thier Und schliessen: Halten uns die Männer denn vor Narren Daß sie ein Abentheur deß Wurms uns tragen für.

Alleine nur Gedult Herr Bräutigam unverzaget So bald er seiner Braut eröffnet den Verstand Gewiß; daß ihr der Wurm der Wunder-Wurm behaget Ob sie zu ersten gleich sich von ihm weggewandt.

Sie wird begieriger darnach ihn in sich schliessen; Denn was dem Jungfern-Volck beliebt das hebt es auf. Sie wird die Lebens-Zeit ihr so damit versüssen Gedencken daß ein Jahr sey einer Stunde Lauf:

Bevor wenn sie vermerckt daß nicht wie Scorpionen Nicht wie Tarantula nicht wie ein Crocodil Wie Schlangen die gehörnt in diesen Wäldern wohnen Jhr Liebes-Wurm sich weist dem sie so trefflich will.

Diß Ungeziefer hat Gifft Stachel zu verletzen Ist wild und auch von Art dem Menschen hefftig feind Hergegen dieser Wurm kan nichts als nur ergetzen Ist sonder Gall und Gift ein auserwählter Freund.

Ich weiß die Liebste wird ihn 20. Seiden-Wurm nur nennen Wenn er mit Wollust sie zum öfftern überspinnt Bedencken was es sey wenn in dem höchsten Brennen Von ihrem lieben Wurm die Milch der Anmuth rinnt.

Man saget ins gemein 21. Johannes-Würmlein schimmern; Ach der October-Wurm plitzt in das Hertz hinein! Sie schleust ihm auf er ist willkommen in den Zimmern Und soll auff ewig nun ihr liebster Gold-Wurm seyn.

Wen so die Liebe führt daß sie von dem Gehirne Biß auf den 22. Mittel-Punct glückseelig zeigt die Bahn Derselbe trägt mit Recht den Krantz umb seine Stirne Und Hymen zündet ihm die Hochzeit-Fackeln an.

Wir haben hier geschertzt er mag noch besser schertzen Hochwehrter Bräutigam mit seiner liebsten Braut: Ein Schertzen das da fleust aus treu-verbundnen Hertzen Wird mit geneigtem Aug’ und Urtheil angeschaut.

Er krümle so verliebt daß künfftig Würmle kommen Daß auch die Nachwelt spricht sie seyn viel Goldes wehrt So werden Wespen nicht umb seine Rosen summen Und sein Gelücke wird von keinem Neid beschwehrt.

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