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1639–1681

Ejusdem. Desiderium VIII.

Heinrich Mühlpfort

Ach könte sich mein Haupt in eine Fluth verkehren Es müsten Tropffen da wo jetzund Haare stehn Die Stirne wär ein Feld durchschwemmt mit heissen Zäh- Sie möchten ungehemmt auf ihren Ufern gehn.

Daß die zwey Augen nicht zerrinnen in zwo Quellen Es wird ein eintzig Strom aus beyden Flüssen seyn Und brächte So nehme meine Fluth den grösten Raum doch ein.

Ob dort Andromache schon an dem Felsen thränet So gleicht ihr gantzes Naß doch meinen Zähren nicht Ob David schwemmt sein Bett und sich unendlich sehnet So hält der Thränen Macht den meinen kaums Gewicht.

Es mag die Magdalen des HErren Füsse baden In wahrer Hertzens-Reu und ungefärbter Buß Und Petrus welcher sich mit Meineyd hat beladen Gekränckt von Furcht und Angst zerschmeltzt in einen Fluß.

So ist mirs nicht genug Ich will des Nilus Gusse Wenn Siebenströhung er der Jsis Aecker netzt Und dann den Wassermann wann er die nassen Füsse Ins triebe Winter-Jahr mit vollen Krügen setzt.

Wie wenn ein Wolckenbruch vom blauen Himmels-Bogen Mit schwartzem Ungestümm erschrecklich sich ergeust Stadt Dörffer Feld und Wald die stehn in Wasserwogen Und alles überdeckt wohin die Fluth sich reißt.

So wünsch ich daß sich auch der Augen Brunn erhebe Und daß mein kranckes Haupt sey ein weite See Daß stat der Augen ich zwey Bäche von mir gebe Daß von den Wangen mir das Wasser niemals geh’

Damit ich nimmermehr dieselben trucknen möchte Daß auch das Auge selbst in eigner Fluth erstickt Und daß die Thräne mir den letzten Tropffen brächte Der mit dem Weinen auch zugleich mein Leyd ausdrückt.

Jhr blaues Wasser-Volck ihr Meer-Einwohnerinnen Seyd tausendmal beglückt die ihr verwandelt seyd Jhr Glieder die ihr müst nunmehr als Brunnen rinnen Und vormals Jungfern war’t voll holder Lieblichkeit.

Daß meine Armen nicht verwandeln sich in Bäche Und graue Wellen gehn auff dem bemoosten Haar Ich wünsch ein Brunn zu seyn je mehr ich dieses spreche Je mehr wird mirs versagt und bin verlassen gar.

Ach könt ich Umb seine Und müste meine Fluth wie Die selbst der Götter Zorn zu einem Brunn erweckt.

Ach wäre mir vergunt in solcher Form zu spielen Wie Achelous that mit seiner leichten Fluth Als Hercules an ihm die Flammen wolte kühlen So von der Lieb entsprang und herrscht in mancher Glut.

Den Wechsel der Gestalt begehrt ich nicht zu haben Noch den geborgten Leib so wie ein Ochse schien Ein schlechter Brunn zu seyn schätzt ich für Gut und Gaben Und fliessen fort für fort den herrlichsten Gewinn.

Mehr Ehre wünsch ich nicht als nur ein reiches Rinnen Und meiner Augenbraun den unerschöpfften Fluß Der wie als wenn der Schnee schmeltzt von des Pindus Zinnen Stürtzt seine Wellen ab in starcken Wasser-Guß.

Die Thränen sollen mir durch das Gesichte schiessen Und Strömen gleiche gehn bey Tag und auch bey Nacht Ich will von keiner Lust als nur von Thränen wissen Biß meine Laster ich mit Thränen rein gemacht.

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