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1639–1681

Ejusdem. Desiderium IX.

Heinrich Mühlpfort

Soll als Actaeon ich itzt eine Fabel heissen Und der erzürnten Hund’ elende Beuthe seyn Ich der ich vormals pflag der Jagt mich zu befleissen Bin nunmehr selbst behetzt und lauf ins Netz hinein.

Mein Schluß war durch die Jagt die Sorgen zu bestreiten Diana deinen Wald den hab ich nie besucht Noch in den tieffen Frost die Hunde wollen leiten Daß sie das Wild beharrt und vorgebeugt der Flucht.

Ich habe nie die Hift auf Noch einem Backer je gegeben einen Fang Noch Wildseil aufgericht auf der Parthener Rasen Und Lappen fürgesetzt zu hindern Spur und Gang.

Ich habe niemals Garn Schwerdt Spiese Pfeil und Bogen Als wie die Jägerin Diana trägt geführt Ach wolte GOtt! ich wär der Lust nur nachgezogen So wär’ ich itzt kein Raub von eigner Kunst berührt.

Ich Unvernünfftiger wo sind nun meine Jahre? Ach hätt’ ich meine Bein’ an einem Dorn verletzt? Warumb hab ich gesucht des Bacchus süsse Waare. Daß drauf Cupido mich hat in sein Garn gesetzt.

Er braucht nicht nur allein den Köcher und die Pfeile Er hat auch Netz und Strick mit welchen er berückt. Und Bacchus leget auch den truncknen Füssen Seile Wie schön er sonsten sich mit seinen Reben schmückt.

Wie hat die Delila den Samson nicht gebunden Und ihn samt seinem Haar beraubet seine Kraft Ja ward der Noe nicht bey seinen Töchtern funden Als ihm den Witz benahm des Weines süsser Saft.

Mich hat die Venus auch gejaget in ihr Netze Wie vielmals hat sie nicht zur Beuthe mich gemacht Weh mir! wohin ich nur die blöden Augen setze So bin ich wie ein Wild das schon ins Garn gebracht.

Und diß ist das Gesicht das den Anton erschrecket Und das er abgemerckt auf einem Felsen hat Er sah so weit sich nur der Erden Ziel erstrecket Die gantze Welt gemahlt als wie auf einem Blat.

Und tausend Cörper auch von Menschen abgerissen Die waren ingesamt mit Netzen überspannt Jedweder fühlte Qual an Händen Kopf und Füssen Die Wollust hätte sie arglistig abgemannt.

Sie blieben wie am Leim die albreu Vögel kleben Un wissend daß sie so Begierden rings umbstellt Ach freylich wird uns stets des Todes Netz umbgeben Das noch viel schärfer war’ als eine Spinne hält.

Der lauscht ohn Unterlaß und hoft in tiefen Ritzen Biß eine Fliege summt die sie zur Speiß erdrückt Der Vogel-Steller wird nechst einem Baume sitzen Biß er mit einem Jug den Raub ins Netzerückt

Jtzt strent er Körner aus itzt läst er Vögel singen Die laden ihn noch auf zu ihrem Keffich ein. Jtzt baut er eine Hütt’ itzt leget er die Schlingen Und pfeifft so lang ein Lied biß sie bethöret seyn.

Nicht anders hat uns auch der Laster Schaar umbgeben Jedwedem stellt der Tod mit seinen Netzen nach Und wer sich durch den Sprung will übern Strick erheben Derselbe stürtzet sich gar in der Höllen-Bach.

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