Fliest Thränen fliest Jhr Augen giest Erpreste Jammer-Fluthen Schmeltzt in ein Quell
Und rinnet hell Zu dämpffen GOttes Gluthen. Der Sünden Brand Hat überhand
In unserm Fleisch genommen Er wühlt mit Schmertz Durch Seel und Hertz Und wird noch weiter kommen.
Verübte Schuld Macht Ungedult Und wecket das Gewissen. Der Laster Schmach
Zeigt nach und nach Auf was es ist geflissen. Wie unsre Zeit In Uppigkeit
So lüderlich verschwendet Wie unser Sinn Sich niemals hin Zum Gottesdienst gewendet.
Da sind unrein Marck Blut und Bein Samt ihrer faulen Hütte. Kein Ader schlägt
Kein Glied sich regt Daß Frevel nicht zerrütte. Der Augen Glantz Hat Wollust gantz
Mit Hoffart überzogen Das Angesicht jst ohne Licht Dem Dunckeln nachgeflogen.
Was nur zu Spott Dem höchsten GOtt Der Mund hat treiben mögen Das ist geschehn
Sünd’ schändlich Schmähn Steht überall zugegen. Was vor Verdruß Von Händ und Fuß
Dem Schöpffer wiederfahren Bringt der ans Licht Wenn für Gericht Geh’n alle Menschen-Schaaren.
Wo bleibt das Hertz Das Spiel und Schertz Mit GOttes-Wort getrieben? Das feist erstarrt
Und vest verharrt Auf schnödem Jrrthumb blieben. Und schläfft du noch An deinem Joch
Der ungeheuren Sünden? Wach auf! die Zeit Ist allbereit Da GOtt dich heim wird finden.
Ach Hügel deckt Mich! der erschreckt Für GOttes Zorn will weichen Jhr Berge kracht!
Komm finstre Nacht Auf Abgrund! thu dergleichen. Wie aber kan Ich Unterthan
Dem HErren flüchtig werden? Ach eitler Traum Da ist kein Raum Auf dieser weiten Erden.
Sein Zorn wird mich Behendiglich Auf meine Flucht ergreiffen. Sein Donnerstral
Mit tausend Qual Zerrütten und zerschleiffen. Ich weiß noch Rath Bey seiner Gnad
Verhoff ich Trost zu spüren. Und meine Schuld Soll seiner Huld Barmhertzigkeit berühren.
Ich trage dir Mein GOtt itzt für Ein recht zerschlagen Hertze Und allermeist
Mein traurig Geist Brennt dir zur Opffer-Kertze! Es ist mir leyd Was ich die Zeit
Des Lebens je begangen Daß ich der Welt Mich zugesellt Und Lastern nachgehangen.
Verwirff mich nicht O höchstes Licht Von deiner Gnaden Augen Die Busse quillt
Mit Reu erfüllt Und kocht gleich scharffer Laugen. Ach wasche mich Gantz säuberlich
So trotz ich Schnee und Lilgen. So kan der Feind Wie bös’ ers meynt Mich nimmermehr vertilgen.
Hier ligt dein Knecht Gott laß dein Recht In Liebe sich verwandeln. Du wirst mit mir
Nicht nach Gebühr Und den Verdiensten handeln. Zwar Straf und Pein Die geh’ ich ein
Nur daß ich dort nicht büsse. Das Gottes-Lamm Ans Creutzes Stamm Macht mir die Schmertzen süsse.
Mein Mund soll fort An jedem Ort Des Höchsten Güte preisen. Und spät und früh
Auf tieffem Knie Dem HErren Danck erweisen.
Cookies on Poetry Cove