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1639–1681

Buß-Lied.

Heinrich Mühlpfort

Wje kan ich HErr die Missethat verhölen Und meine Sünde decken zu? Sie läst nicht dem Gewissen Ruh Und ist ein schneidend Schwerdt in meiner Seelen.

Drumb fallen alle Kräfften hin Ich bin nicht mehr der ich gewesen bin. Gleichwie ein Brunn so trocknet mein Gebeine Ich sehe schon den Todten gleich

Mein faulend Fleisch ist eine Leich. Die Schuld druckt mich wie grosse Felsen-Steine. Es seufzt mein Hertz bey Tag und Nacht Und der zerknirschte Geist ist fast verschmacht.

Drumb will ich frey die Ubertrettung sagen. Ich habe dein Gebot veracht Nicht deinen Worten nachgedacht Den Eyffer dich zu ehren ausgeschlagen.

Nun fühl ich meiner Bürden Last Wormit du mich mein GOtt beleget hast. Wer wird mich nun von deinem Fluch befreyen? Mein eitel Opffer stinckt mich an.

Und weil ich niemals Guts gethan So muß ich über mich erbärmlich schreyen Daß ich der Welt ein Schand-Altar Gebaut und dir zu opffern säumig war.

Ich rauche noch vom Brand der tollen Lüste Man spürt noch der Begierden Feur Der schnöden Sünden Ungeheur Ach daß mich doch die Erde decken müste.

Wie aber will ich dir entfliehn Und der verdienten Strafe mich entziehn? Du wollst doch nicht das Hals-Gerichte hägen Das ich hoch-peinlich leiden muß

Mich treten unter deinen Fuß. Dein Sohn erwarb vor Strafe mir den Seegen. Ach laß Genade gehn für Recht Und sieh doch an barmhertzig deinen Knecht.

Wie soll ich armer Mensch seyn unbeflecket Die Himmel selbsten sind nicht rein? Der Schluß ist wahr und allgemein Daß in des Menschen Hertz nur Thorheit stecket.

Und so du uns zeuchst für Gericht Herr so besteht kein Mensch der lebet nicht. Ach sprich mich loß erlaß mich meiner Schulden Weil du genädig bist und heist!

Nimm von mir den zerknirschten Geist Und tröste mich durch deines Sohnes Hulden! So soll dein Lob gepriesen seyn Bey später Nacht bey frühem Morgenschein.

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