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1639–1681

Bey Beerdigung Hn. C. G. den 3. Junii 1678.

Heinrich Mühlpfort

Was ist das das wir leben heissen? Ein Circkel voll gedrungner Noth. Ein Traum und ein betrüglich gleissen Ein ungewisses Morgenroth.

Ein Rauch der wenn er kömmt verschwindet Ein Meer das stets von Jammer pranst Ein Fallstrick der die Seele bindet Ein Wind der uns zu stürtzen saust.

Ist noch was flüchtiger als Schatten? Ach ja der kurtzen Tage Flucht. Der Thau den man auf grünen Matten Bey aufgewachter Sonne sucht

Wird vielmals nicht so schnell vergehen Als die elende Sterbligkeit: Da eh wir lernen reden gehen Man schon uns macht das Todten-Kleid.

Der Fortgang mit erwachsnen Jahren Ist nur ein Weg zu größrer Pein Diß was wir lesen und erfahren Wird oft ein faul Geschwätze seyn.

Weil unser Wissen unvollkommen Und der Verstand voll Unverstand; So ist was wir je für genommen Auf nichts gebaut als Trübe-Sand.

Wir mögen in die Frembde reisen Der Kummer zieht uns immer nach. Bey Freuden Wollust Schertz und Speisen Drückt uns manch heimlich Ungemach.

Der Welt verdammte Heucheleyen Die nehmen Tugend-Larven an. Wie kan ein redlich Hertz sich freuen Das unter ein solch Joch gethan?

Und wenn wir nun viel zubesitzen Das Leben in Gefahr gewagt. Was kan es bey dem Hintritt nützen Wenn uns die letzte Noth betagt?

Da sehen wir daß alles flüchtig So weit das Rad der Sonnen geht. Daß unser Hände Wercke nichtig Und bloß der Unbestand besteht.

Und wünschen wir die grauen Haare? Das Alter ist ein schwerer Gast. Es prediget nur von der Bahre Und nennt das Leben eine Last.

Das eben führt die jenen Tage So keinem nicht gefällig seyn. Da man nur Jammer Angst und Plage Vor Freuden-Früchte sammlet ein.

Und ob es köstlich auch gewesen So hat es Müh und Noth verzehrt. Wer wolt ihm nicht diß auserlesen Was uns die wahre Ruh beschert?

Wer wolte nicht die Augen schliessen Umb dort den Himmel anzuschaun? Deß Leibes Kercker seyn entrissen Und jene Friedens-Städte baun?

Das End-Ziel aller Angst und Schmertzen Bleibt doch ein sanfft und seelig Tod. Der Hingang zu dem Vater-Hertzen Die Reise zu dem wahren GOtt.

Das Freuden-Thor zu jenem Leben Und der Geburts-Tag wahrer Lust. Die Sammlung wo die Heilgen schweben Ein Labsal auf die Myrrhen-Kost.

Nun diesen Zweck hat auch ergriffen Herr Greif als auf sein Lebens-Ziel Der Tod das Würge-Beil geschliffen Und ihn die Mattigkeit befiel;

Daß er den Pfingst-Tag dort zu feyren Den heilgen Abend hier beschloß Und seine Seele wolte steuren In deß Erlösers Gnaden-Schoß.

Sein Ruhm und ehrliches Verhalten Wird noch in vieler Hertzen blühn. Muß schon hier Fleisch und Blut erkalten Und Wust und Schimmel es beziehn

So bleibt sein Name doch im Segen. Der Fromme kan nicht untergehn Es will auff allen Weg und Stegen Gott seinen Saamen noch erhöhn.

Betrübtste Frau wie herb und bitter Der Name Wittib bey ihr klingt; Da jetzt deß Todes Ungewitter So wol ihr Haus als Hertz umbringt.

So glaube sie daß nach dem Weinen Und außgestandnem Seelen-Weh Jhr wlrd die Sonne wieder scheinen Und daß ihr neuer Trost aufgeh.

Jhr Eh-Herr zeucht mit Ruhm von hinnen Die Gottesfurcht und Redligkeit In seinem Wandel und Beginnen Sind auch im Tode sein Geleit’.

Er ist ja gar zu wol geschieden Und ausgegangen wie ein Licht Zu der Zeit da ihm seinen Frieden Und Beystand GOttes Mund verspricht.

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