Skip to content
1639–1681

Auff den 74. Ejusdem.

Heinrich Mühlpfort

Hoch Edler Herr von Götz des Grossen Käisers Raht Umb dessen Silber-Haupt sich Lorber-Zweige schliessen Dem auch die Nach-Welt wil sich hoch-verbunden wissen Jhm Vater der Gemein und Phönix unsrer Stadt

Nun vier und siebtzig mahl sein Namens-Tag erschienen Mit was für Schuldigkeit sol ich diß Fest bedienen? Was thut nicht Schlesien in der Johannis Nacht Da wo der Berge Höh’ die Wolcken übersteiget

Und sich die Schneekopp’ als der Sonnen Nachbar zeiget? Es wird aus Laub und Holtz ein Freuden-Feur gemacht So daß wenn schon der Tau die dürren Felder kühlet Durch aller Schatten Flor die liechte Flamme spielet.

Ich wil auff dem Parnass’ der Musen Heiligthum Und des Apollo Thron wo alles ist zu finden Was nur an Wissenschafft und Weißheit zu ergründen Mein Opffer legen ab und zwar nicht eine Blum’

Und schwaches Epheu-Laub Jhm Es sol der Rom das der Ewigkeit Kampff anzubieten schien Und sich der Erden Zaum des Meeres Riegel nante

So bald es aus der Schlacht den Sieger nur erkante Und sah’ in Jovis Schoß das schöne Lorbergrün Höchst-prächtig legen ab rief: der Erretter lebe! Daß stetes Glück und Heil umb seine Scheitel schwebe!

Und solte Breßlau nicht den theuren Lorber-Krantz Der seine Schläfe ziert mit tausend Wünschen krönen Hochmögender Patron ja solten die Camenen In ihrer Schoß erzeigt sich ob der Tugend Glantz

Der Thaten Treffligkeit nicht freudig lassen hören Und der Verdienste Preiß in tieffster Demuht ehren? Es wird die Göttligkeit dem Lorber beygelegt Als dessen heilig Blat was künfftig ist entdecket.

Wie offt wenn unsre Stadt in Sorg und Noht gestecket Hat sein hochweiser Sinn dergleichen Raht gehegt Das was verderblich war in Wachsthum sich verkehret Und reichen Uberfluß gemeinem Nutz gewehret.

Mehr ward der Lorberbaum von Königen geehrt Die ihre Wohn-Palläst und Thore mit gezieret: Der Käiser Julius hat solchen stets geführet Zum Bild der Majestät. Und wie das Zeitbuch lehrt

Hat wer zu Delphis sich im kämpffen durchgeschlagen Den besten Preiß davon den Lorher Krantz getragen. Ist es nun Wunderns werth Wenn der Erlauchten Gnad auch seine Lorber-Zweige

Mit grössrem Ruhm belaubt verstumme Neid und schweige. Der höchste Der weite Kreiß der Welt schickt seine Sonnen-Blicke Hier diesem

Es hat der Fürsten-Brieff ein Lorber-Zweig bedeckt So offt sie Glück und Heil von Feinden überschrieben: Der edle Lorberbaum ist unversehret blieben Da als das Schloß zu Rom war in den Brand gesteckt.

Der Richter Ampt und Beil bekrönen Lorber-Aeste Und voller Lorbern blühn Egyptens heilge Feste. Die Ceres hat den Baum vor andern hochgeliebt Denn seine Krafft die läst die Früchte nicht verderben:

Apollo braucht ihn selbst für Fäulniß Gifft und Sterben Weil seiner Blätter-Safft vielfältig’ Artzney giebt. Ja Socrates der wil beym Lorberbaume schweren Es wünscht Empedocles in den sich zu verkehren.

Von solcher Trefligkeit grünt dieser schöne Baum Als dessen starck Geruch auch Todten kan erquicken. Er wird zu Freud und Leid uns seine Zweige schicken Ist bey den Freunden werth und hat bey Feinden Raum:

Deckt Alexanders Helm mit Welt-geprießnen Siegen Und läst sich auch hernach umb Pallas Schläfe biegen. Die Sonne küst den Baum als die die Königin Der Sternen heist und bleibt sie wird mit ihren Stralen

Den lieblichen Schmaragd der Blätter schöner mahlen Daß wie sie beym Gestirn den Vortheil nimmt dahin Auch unter Bäumen kan der Lorber König bleiben Und sich der Sonnen Lust der Wälder Krone schreiben.

Unschätzbahrer Patron seh ich die Herrligkeit Der Ehren-Lorber an die voller Früchte blühet Die vor das Vaterland so heilsam sich bemühet Die GOtt ihr Wachsthum hat zur Danckbarkeit geweyht;

Die durch die Wohlthat sich den Göttern gleich gemachet Als Schutz-Gott dieser Stadt für aller Heil gewachet; So sag ich solchen Ruhm beschleust kein enges Blat: Und ob die Tugend zwar von eigner Würde gläntzet

Ist selbst ihr Schmuck und Lohn: die ihre Folger kräntzet Und ewig machen kan so pflegt doch wie dem Rad Der Sonnen Schatten folgt auch Lob sie zu begleiten Und ihre Treffligkeit blüht unermeßne Zeiten.

Die hohe Eiche fürcht des Donners harten Schlag Die schwancke Tanne heult die Lorber bleibet stehen Und läst auff sich getrost die lichten Blitze gehen Weiß daß dem grünen Haar kein Wetter schaden mag:

So hat Jhn die Beständigkeit zum Eckstein wollen machen. Mahlt nicht der Lorber hier ein rein Gewissen ab Das eifrig GOtt geehrt dem Käiser treu gewesen

Das die Gerechttgkeit zum Hertzblat ihm erlesen Und Sanfft muht hat geliebt biß in das schwartze Grab: Denn wie den Lorber kan kein Donner-Keil erschrecken: So kan hier keine Schuld die Reinligkeit beflecken.

Wo einst das Griechenland Permessus Fluß durchnetzt Und seinen Silberthau der Wellen außgegossen Hat dessen Ufer rings ein Lorber-Wald umbschlossen Da sich das reine Volck der Schwanen hingesetzt

Dem Lorberbaum gedanckt für angenehmen Schatten Und sich bemüht den Preiß durch Lieder zu erstatten. Wo Priester Schwanen sind die durch ein heilig Lied Und Flammen-vollen Mund die Gottesfurcht entzünden;

Bey diesem Lorber-Baum wird man sie embsig finden Als der zu ihrem Schirm und Wolfahrt hat geblüht. Es trägt der weise Schwan den Lorber in dem Munde Sein Rnhm der geht nicht eh’ als mit der Welt zu Grunde.

Es ändert auch der Baum nie sein Schmaragden Kleid Ein ewig Frühling wohnt in den belobten Zweigen. Kan uns der Lorber nicht als wie im Spiegel zeigen Daß er ein wahres Bild der Unverweßligkeit:

Denn wie er immer grünt so muß der Ruhm auch blühen Der von der Tugend kommt und wurtzelt aus Bemühen. Diß Kleynod naget nicht der Zeiten scharffer Zahn Astraeens höchste Zier die Lorber seiner Ehren

Wird gar die späte Welt höchst-preißbar nennen hören Und was bey dieser Stadt sein Obsicht hat gethan Schreibt Clio nicht allein in todte Marmelsteine Nein deß

Es sah die Livia in ihrer zarten Schoß Samt einem Lorber-Zweig ein weisses Huhn sich flüchten Darauß entstund ein Wald von tausend Lorber-Früchten: Die Deutung lehrte klar wie daß die Käiser groß

Und mächtig würden seyn und welcher überwunden Hat einen Lorber-Krantz aus diesem Wald gefunden. Ich wünsche Und adliches Geschlecht außbreit in tausend Zweige

Daß dero hohes Lob die Sternen übersteige! Ja wie der Lorberbaum gerieben eine Flamm Und gutes Zeichen giebt so sey mein Wunsch ein Zeichen: Daß dieses Namens-Fest mög’ alles Heil erreichen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Auff den 74. Ejusdem. · Heinrich Mühlpfort · Poetry Cove