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1861

XXXVIIIDer Pilger

Conrad Ferdinand Meyer

Mich drückt der Föhn. Er atmet schwer und schwül. Dort im Kapellendunkel ist es kühl. Zu einer Abendruhe kehr ich ein Und werde wohl der einz'ge Beter sein.

Grüß Gott, mein schwäb'scher Nachbar Adalrich! Du lächelst blöd. Ein Stümper malte dich. Ein Kirchlein trägst du sittig in der Hand: Du schufst ein Kloster, merk ich, hiezuland!

Du gingest im Geleite deiner Zeit Und hast's getan in Herzenslauterkeit. Mir sinkt das Haupt... Wer da? Bin ich belauscht? Am Fuß des Altars hat Gewand gerauscht.

Ein Pilger kniet, der stumm die Lippen regt Und betend seinen Rosenkranz bewegt. Ein kühner Wuchs, geduckt in Mönchsgewand! Und – mein ich – eine schwertgewohnte Hand –

Was haucht mich an? Wie fällt mir plötzlich bei, Daß dieser Mönch ein böses Wesen sei?... Was flüstert mir im Ohr, daß dieser still Versunkne Mensch mir an das Leben will?...

Ein Mörder ist's, gesendet gegen mich! Nein. Ruhig kniet und edel hebt er sich. – Er wendet sich der Uferbrandung zu – Du bist ein Ritter! Warum pilgerst du?

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