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1861

XXXVIDeutsche Libertät

Conrad Ferdinand Meyer

Ein lustig Trommeln zieht den Strand entlang Mit gellen Pfeifen und mit Kriegsgesang. Sie lösen ihre Stücke. Rauch und Dampf. Er lichtet sich. Standarten, Roßgestampf.

Gewalt'ge Körper! Es ist eine Lust, Wie sie daherstolzieren selbstbewußt. 's ist Schwyzerboden. Üppig fließt der Sold, Wild, immer wilder brennt der Durst nach Gold.

Die Älpler haben Lebensüberfluß Und starkes Blut, daß man sie schröpfen muß. Wem ziehn sie bei? Die Lilien seh ich wehn, Zu König Franz wird dieser Reislauf gehn.

Nicht treibt der Schweizer seinen bösen Lauf Allein. Der Landsknecht nimmt es mit ihm auf. Der deutsche Ritter auch, er ficht und rauft Für jeden fremden König, der ihn kauft.

Fürst, Pfaffe, Bauer, Städte, Ritterschaft, Ein jedes trotzt auf eigne Lebenskraft! Zum Henker eine Freiheit, die vergißt, Was sie der Reichesehre schuldig ist!

Zum Teufel eine deutsche Libertät, Die prahlerisch in Feindeslager steht! Geduld! Es kommt der Tag, da wird gespannt Ein einig Zelt ob allem deutschen Land!

Geduld! Wir stehen einst um ein Panier, Und wer uns scheiden will, den morden wir! Geduld! Ich kenne meines Volkes Mark! Was langsam wächst, das wird gedoppelt stark.

Geduld! Was langsam reift, das altert spat! Wann andre welken, werden wir ein Staat.

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