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1861

XXXIDie deutsche Bibel

Conrad Ferdinand Meyer

Ein frommer Tag, da ich, gestreckt ins Gras, Die „Schrift, verdeutscht durch Martin Luther“ las. Gern hör ich deiner Sprache, Luther, zu Wer braucht das Wort gewaltiger als du?

Auf einer grün umwachsnen Burg versteckt, Hast du die Bibel und das Deutsch entdeckt. Ich las und alte Mär aus Morgenland In Fleisch und Blut verwandelt vor mir stand.

Den Heiland hör ich, der mich traulich lehrt, Aus einem Fischerboot mir zugekehrt. Und plaudert' hier am Brunn im Schattenraum Mit einem Weiblein er, mich wundert's kaum.

Vielleicht dortüben wandelt am Gestad Durchs hohe Korn er auf verdecktem Pfad... Der Rittersmann, der Knecht im Bauerkleid Vernimmt von ihm den Weg zur Seligkeit –

Auch seine Henker tragen deutsche Tracht, Zu Köln wird er im Dornenkranz verlacht Und spottend geht an seinem Kreuz vorbei Ein Chorherr aus der Mainzerklerisei...

Leer steht das Holz. Ein Zettel flattert dran Mit got'scher Schrift. Es hebt die Predigt an. Die Feuerzungen wehn. Fest Pfingsten flammt. Martinus tritt in das Apostelamt.

Der Sturm erbraust und jede Sprache tönt – Wie tief das Erz der deutschen Zunge dröhnt!

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