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1861

XXVIHomo sum

Conrad Ferdinand Meyer

Ich halte Leib und Geist in strenger Zucht Und werde doch vom Teufel scharf versucht. Ich möchte meiner Seele Seligkeit Und bin mit Petri Schlüsselamt im Streit.

Am Tisch der Fugger speist ich dort und hie Und schimpfe weidlich Pfeffersäcke sie. Den Städterhochmut haßt ich allezeit Und hätte gern ein städtisch Kind gefreit.

Auf ehrenfeste Sitten geb ich viel Und fröne dem verdammten Würfelspiel. Ich bin des Kaisers treuster Untertan Und riet dem Sickingen Empörung an.

Das plumpe Recht der Faust ist mir verhaßt Und selber hab ich wohl am Weg gepaßt. Ich bete christlich, daß es Friede sei, Und mich ergötzen Krieg und Kriegsgeschrei.

Der Heiland weidet alle Völker gleich – Nur meinen Deutschen gönn ich Ruhm und Reich! Das heißt: ich bin kein ausgeklügelt Buch, Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch.

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