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1861

XVDas Hütlein

Conrad Ferdinand Meyer

Es war in Brüssel vor dem Ständehaus. Die Sage ging: „Der Kaiser reitet aus!“ Noch hatt ich nie das junge Haupt geschaut, Dem wir des Reiches höchstes Amt vertraut.

Ein edles Roß ist unsre Zeit. Es stampft. Es wiehert mutig. Seine Nüster dampft. Ob er die Zügel klug und kühn ergreift? Ob er's bewältigt? Ob's ihn wirft und schleift?

Da wir Poeten abergläubisch sind, Erdacht ich ein Orakel mir geschwind: Für diesen Kaiser gelte fort und fort Das erste seinem Mund entfallne Wort!

Er kam. Ein Hütlein trug er, meiner Treu, Mit Reiherfedern, funkelnagelneu! Der Himmel macht' ein mißvergnügt Gesicht, Sich selber fragend: Regn ich oder nicht?

Jetzt klatschten Tropfen auf das Pflaster schwer, Die junge Stirne legt' in Falten er Und lugte sorgend zu den Wolken auf. „Mein altes Hütlein!“ rief er, „Kämmrer, lauf!“

Ich aber sprach zu mir: Das wird nicht gut! Sein erster Ruf geht nach dem alten Hut.

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