Skip to content
1861

XLVISchweizer und Landsknechte

Conrad Ferdinand Meyer

Heut hat man mit Soldaten mir getischt. Ein ungebunden Volk. Mich hat's erfrischt. Päpstler und Ketzer saßen im Verein Bei unsrer lieben Frauen Klosterwein.

Sie kamen eben braun und beuteschwer Bergüber aus der welschen Sonne her. Gleich frug ich einen, der ein Pflaster trug: Bekenn, daß dich ein frommer Landsknecht schlug!

Unsinn, daß ihr euch täglich reizt und rauft, Landsknecht und Schweizer, beide deutsch getauft! – „Warum, Herr Ritter, ich vom Leder zog? Weil Heini Wolleb mein Gefühl betrog.

Zum Imbiß saßen unser zwanzig da In den ‚Drei Königen‘ von Mantua. Rings Pfuhl und Wall. Das Fieber hauchte schwül. Am Seelisberge, dacht ich, weht es kühl.

Da brüllt's. Ein langgezogen ehrlich Muh. Mich denkt's der braunen Lisli, unsrer Kuh. Und wieder brüllt's. Nun kommt mir in den Sinn Die andre Lisli auch, die Melkerin.

Zum dritten muht's. Aufblickt der Ürnersee, Scharf blitzt am Himmel ein Gezack von Schnee. Mir tropft das Aug. Da lacht der Jauch: ‚Du Stier, Ein Landsknecht brüllt. Kein Rindlein graset hier.‘

Ich fuhr empor: ‚Bei meinem Eid und Schwur! So täuschend muht der Heini Wolleb nur!‘ Ins Freie rannt ich. Um die Ecke strich Der Heini grinsend und verhöhnte mich.

‚Steh, Heinz!‘ Er stand und ehrlich fochten wir, Wie Zeugnis gibt das schwarze Pflaster hier. In sumpf'gem Mantovanerboden ruht Der Heini, der so trefflich hat gemuht.

Ehrbarer Ritter, reichet mir die Hand, Und wäre sie geächtet und gebannt! Hier haust Ihr ungekränkt im Firnelicht, Nur muhet, Herr, auf Eurer Insel nicht!“

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
XLVISchweizer und Landsknechte · Conrad Ferdinand Meyer · Poetry Cove