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1861

XLIIDie Bilderstürmer

Conrad Ferdinand Meyer

Ich sprach: So, Hutten, kann's nicht länger gehn, Heut mußt du wieder einmal Menschen sehn! Und sprang ins Boot und bahnte mir den Pfad Mit Ruderschlag ans rechte Seegestad.

Ein stattlich Dorf erzielt ich mit dem Boot – Da regte sich's, als wäre Feuersnot. Wo sich der Dorfbach in den See ergoß, Lärmt' eine Männerschar, ein Kindertroß.

Aus ihrem Kirchlein schleppten mit Geschrei Die Bilder ihrer Heil'gen sie herbei Und warfen in die Flut den ganzen Hort Mit manchem schnöden Witz und frechen Wort.

Der Strudel führte weg den alten Graus Und wusch der Märt'rer blut'ge Wunden aus. Wachsherz, Votivgeschenk, Reliquienschrein Flog alles lustig in den Bach hinein –

Da werd ich eines Steingebilds gewahr, Mit schwiel'gen Händen hob's ein Männerpaar Und ich erschrak. Es war ein zart Gebild: Die Magd Maria lächelte so mild

Und sah das grobe Volk so rührend an, Als spräche sie: Was hab ich euch getan! Wie kam das Werk in dieses Kirchleins Raum? In Nürnberg selber sah ich Beßres kaum.

Man fühlte, daß ein Meister spät und früh Daran gewendet lauter Lieb und Müh. Zerstören, was ein gläubig Herze schuf, Gehorsam einem leisen Engelruf,

Vernichten eine fromme Schöpferlust, Ein Frevel ist's! Ich fühlt's in tiefer Brust... Gebiet ich Halt? Ich? Ulrich Hutten? Nein... Ihr Männer, stürzt das Götzenbild hinein!

Ich trat hervor und rief's mit strengem Mund. Sie warfen. Etwas Edles ging zugrund.

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