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1861

XLIFiebernacht

Conrad Ferdinand Meyer

Der Morgen graut – des Pilgers Stätte leer? Beim Hahnenruf verschwand gespenstisch er! Was ich geschaut, ist's Wahrheit? War es Traum? Schlief mit dem Teufel ich im gleichen Raum?

Es war ein Spuk! Es war ein Fieberwahn! Die welsche Fratze hat mir's angetan! Nein, Wahrheit war's! Kein Morgenwind verweht Das andachtsvoll irrsinnige Gebet!...

Was quäl ich mich? Unfähig ist der Tat Ein Frömmler! Doch ein Spanier? Ein Soldat? Kein Mönchlein ist's, in Müßiggang erschlafft, Er hat des Kriegers Zucht und Willenskraft.

Er ist ein Schwärmer! Voller Selbstbetrug! Daneben ist er wie die Hölle klug! Ein Weib vergöttern – Aberwitz und Schmach – Von Even stammend, die den Apfel brach!

Dem Weibe schmeicheln ist der Schlange List! Ich Hutten weiß, was an den Weibern ist! Der Wahrheit Trotz und Zorn und Fehdelust Hat keinen Raum in einer runden Brust.

Zutulich naht die üpp'ge welsche Kunst, Andacht verkuppelnd mit der Sinne Brunst. Die Kirche steigt phantastisch wieder auf Und gürtet sich zu neuem Siegeslauf;

Mit feiger Fürstentyrannei gepaart, Steht sie um ihre Götzen fest geschart; Der Drache Rom, getroffen bis ins Mark, Durch seine Wunde wird er wieder stark

Und von der Wahrheit Schwert des Kopfs beraubt, Wächst er empor mit einem gift'gern Haupt. O Menschheit, qualenvoller Sisyphus, Der seinen Felsen ewig wälzen muß!

Ein flüchtig Vorgefecht hat mich genarrt, Jetzt erst erblick ich meinen Widerpart. Nun ich auf Erden meinen Tag vertan, Fängt sich der grimmste Feind zu zeigen an.

Verruchter Mördername: „Loyola!“ Blut klebt an diesen roten Silben da. Der Höllensendling wird die Welt durchziehn! Was stieß ich nieder nicht im Beten ihn?

Pfui, Hutten, Meucheltat! Das Fieber plagt Und rüttelt dich. Gottlob, der Morgen tagt... Vielleicht war's eine Ausgeburt der Nacht? Und doch! Hätt ich den Spanier umgebracht!

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