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1861

VIIIDer Stoff

Conrad Ferdinand Meyer

Als ich von hoher Schule Weisheit troff, Bat ich die Muse: Jungfrau, gib mir Stoff. „Wohlan, Herr Ritter“, sagte sie, „bedenkt, Ob etwa jemand Euch das Herz gekränkt?“

Ich sprach: Die Lötze schenkten mir Gewand Und nahmen's wieder mir mit Räuberhand. Zornmütiger Querelen zweimal zehn Ließ gegen Sohn und Vater ich ergehn.

Was, Muse, nun? Gib Stoff! Hilf ab der Not! Sie sang: „In Schwaben rinnt ein Bächlein rot.“ Da rannt ich wütend Herzog Ulrich an, Der Vetter Hansen schimpflich abgetan.

Und wieder sprach ich zu der Muse nun: Ich bin der starke Knecht. Frau, gib zu tun! Sie lachte. „Ritter, mäßigt Euren Sturm! Sonst singt Ihr um den Steckelbergerturm.“

Gib, Muse, Stoff! Erhöre mein Gesuch! Gib Stoff! Ein starkes, dauerhaftes Tuch! „Ein sächsisch Mönchlein aus der Kutte schloff. Da, Ritter, habt Ihr einen guten Stoff!“

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