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1825–1898

Venedig.

Conrad Ferdinand Meyer

Venedig, einen Winter lebt' ich dort — Paläste, Brücken, der Lagune Duft! Doch hier im harten Licht der Gegenwart Verdämmert mälig mir die Märchenwelt.

Vielleicht vergaß ich einen Tizian. Ein Frevel! Jenen doch vergaß ich nicht, Wo über einem Sturm von Armen sich Die Jungfrau feurig in die Himmel hebt,

So wenig als den andern Tizian — Doch kein gemalter war's — die Wirklichkeit: Am Quai, dem nächt'gen, der Slavonen war's. Im Dunkel stand ich. Fenster schimmerten.

Zwei dürft'ge Frauen kamen hergerannt. Hart an die Scheibe preßt' das junge Weib Die bleiche Stirn. Was drinnen sie erblickt, Das sie erstarren machte, weiß ich nicht.

(vielleicht den Herzgeliebten, welcher sie An eines andern Weibes Brust verrieth.) Ich aber sah den feinsten Mädchenkopf Vom Tod entfärbt! Ein Antlitz voller Tod!

Die Mutter führte weg die Schwankende ... Die beiden Tiziane blieben mir Stets gegenwärtig; löschen sie, so lischt Die Göttin

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