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1825–1898

Thespestus.

Conrad Ferdinand Meyer

Zwei Greise ruhten unter einer Pinie, Stab neben Stab, an einer Quelle klarer Flut, Wo wandernd sie begegnet sich von ungefähr. Sie führten Zwiegespräch und sie behagten sich.

— „Man nennt mich Eukrates, und wer, mein Freund, bist du?“ — „Mich nannten Aridaeus lange Jahre sie, Seit langen Jahren bin ich nun Thespesius.“ — „Zwei Namen trugst du?“ — „Beide Namen, Eukrates.

Hör' an! Ein Jüngling, peitscht' ich rasend das Gespann. Die Rosse flogen. Becher, Buhlen, Würfelspiel, Wuth, Zorn, vergossen Blut — verklagend Blut! Dem ich entfloh, die Eumeniden hinter mir —

Sie folgten meiner raschen Füße schnellstem Lauf, Ich warf mich in den Fluß, sie sprangen jauchzend nach Und hoben schwimmend ihrer Fackeln düstre Glut. Ich klomm bergan — verirrt stürzt' ich von einer Wand —

Die Sinne schwanden mir. Dann lebt' ich wieder — war's Im Traum? — und schritt auf einem weichen Wiesengrün, Wo Sel'ge — solche schienen sie — lustwandelten In still bewegten Schaaren. Kränze trugen sie.

Den Einen kannt' ich wohl und ward von ihm erkannt: Mein Blutsverwandter, welcher jüngst geschwunden war Aus dieser Erde Staub nach einem reinen Lauf. Der sprach mich an: „Ich grüße dich, Thespesius!“

„wozu der neue Name, wundersamer Ohm? Wie nennst du mich? Dein Aridaeus bin ich ja!“ Die Locken schüttelt' leis er, die ambrosischen: „und abermals, ich grüße dich, Thespesius!“ —

Jetzt wacht' ich wirklich auf. Am Hange lag Ich blutbedeckt, von gier'gen Raben schon umschwärmt — Was mehr? Ich ward ein Andrer. Nicht mit kleinem Kampf! Der Kampf ist groß! Mein neuer Name stärkte mich,

Der makellose, der so rein und göttlich klang! Hab' gute Fahrt!“ — „Fahr' wohl auch du, Thespesius!“

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