Zwei Greise ruhten unter einer Pinie, Stab neben Stab, an einer Quelle klarer Flut, Wo wandernd sie begegnet sich von ungefähr. Sie führten Zwiegespräch und sie behagten sich.
— „Man nennt mich Eukrates, und wer, mein Freund, bist du?“ — „Mich nannten Aridaeus lange Jahre sie, Seit langen Jahren bin ich nun Thespesius.“ — „Zwei Namen trugst du?“ — „Beide Namen, Eukrates.
Hör' an! Ein Jüngling, peitscht' ich rasend das Gespann. Die Rosse flogen. Becher, Buhlen, Würfelspiel, Wuth, Zorn, vergossen Blut — verklagend Blut! Dem ich entfloh, die Eumeniden hinter mir —
Sie folgten meiner raschen Füße schnellstem Lauf, Ich warf mich in den Fluß, sie sprangen jauchzend nach Und hoben schwimmend ihrer Fackeln düstre Glut. Ich klomm bergan — verirrt stürzt' ich von einer Wand —
Die Sinne schwanden mir. Dann lebt' ich wieder — war's Im Traum? — und schritt auf einem weichen Wiesengrün, Wo Sel'ge — solche schienen sie — lustwandelten In still bewegten Schaaren. Kränze trugen sie.
Den Einen kannt' ich wohl und ward von ihm erkannt: Mein Blutsverwandter, welcher jüngst geschwunden war Aus dieser Erde Staub nach einem reinen Lauf. Der sprach mich an: „Ich grüße dich, Thespesius!“
„wozu der neue Name, wundersamer Ohm? Wie nennst du mich? Dein Aridaeus bin ich ja!“ Die Locken schüttelt' leis er, die ambrosischen: „und abermals, ich grüße dich, Thespesius!“ —
Jetzt wacht' ich wirklich auf. Am Hange lag Ich blutbedeckt, von gier'gen Raben schon umschwärmt — Was mehr? Ich ward ein Andrer. Nicht mit kleinem Kampf! Der Kampf ist groß! Mein neuer Name stärkte mich,
Der makellose, der so rein und göttlich klang! Hab' gute Fahrt!“ — „Fahr' wohl auch du, Thespesius!“
Cookies on Poetry Cove