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1825–1898

Pentheus.

Conrad Ferdinand Meyer

Sie schreitet in bacchisch bevölkertem Raum Mit wehenden Haaren ein glühender Traum, Von Faunen umhüpft, Um die Hüfte den Gürtel der Natter geknüpft.

Melodisch gewiegt und von Eppich umlaubt, Ein flüsterndes rücklings geworfenes Haupt — „ich opfre mich Dir. Verzehre, Lyaeus, was menschlich in mir!“

„agave!“ ruft's und der bacchische Schwarm Zerstiebt und der Vater ergreift sie am Arm. „weg, trunken Gesind! Erwach und erröthe, verlorenes Kind!

Du dienst einem Gaukler!“ Im Schutz des Gewands Verhüllt er den Busen, entreißt ihr den Kranz — Wild hebt sie den Stab. Sie schlug! Aufstöhnt der das Leben ihr gab.

„ich glaube den Gott! Ich empfinde die Macht! Ich strafe den Frevler der Götter verlacht! Wer bist du, Gesicht? Ich bin die Bacchantin! Ich kenne dich nicht!“

Er betrachtet sein Kind. Er erstaunt. Er erblaßt. Er entspringt, von entsetzlichem Grauen erfaßt. Er flieht im Gefild, Ein rennender Läufer, ein hastendes Wild.

„herbei, alle Schwestern! Mänaden, herbei!“ Erhebt sie den Weidruf, das helle Geschrei: „zur Jagd! Zur Jagd!“ — „Wir folgen dir, blonde, begeisterte Magd!“

Sie jagen den König, Agave vorauf, Er springt in den Strom und erneuert den Lauf Am andern Gestad, Sie stürzt sich mit jubelnden Sprüngen ins Bad.

Aufspritzen die Wasser. Er wirbelt den Staub Mit bebenden Füßen. Sie hetzen den Raub — Was dämmert empor? Ein Felsengestein ohne Pfad, ohne Thor.

Die Sonne versank und die Wolke verglimmt. Er eilt und er schwankt und er keucht und er klimmt — Am Fuße der Wand Erreicht ihn die rasende mordende Hand.

Am Grate des Berges verfärbt sich die Glut, Im Schatten des Berges verströmt sich das Blut, Nacht schwebt heran Und erschrickt und verhüllt was Agave gethan.

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