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1862

Nach einem Niederländer

Conrad Ferdinand Meyer

Der Meister malt ein kleines zartes Bild, Zurückgelehnt, beschaut er's liebevoll. Es pocht. „Herein.“ Ein flämischer Junker ist's. Mit einer drallen, aufgedonnerten Dirn,

Der vor Gesundheit fast die Wange birst. Sie rauscht von Seide, flimmert von Geschmeid. „Wir haben's eilig, lieber Meister. Wißt, Ein wackrer Schelm stiehlt mir das Töchterlein.

Morgen ist Hochzeit. Malet mir mein Kind!“ „Zur Stunde, Herr! Nur noch den Pinselstrich!“ Sie treten lustig vor die Staffelei: Auf einem blanken Kissen schlummernd liegt

Ein feiner Mädchenkopf. Der Meister setzt Des Blumenkranzes tiefste Knospe noch Auf die verblichne Stirn mit leichter Hand. – „Nach der Natur?“ – „Nach der Natur. Mein Kind.

Gestern beerdigt. Herr, ich bin zu Dienst.“

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