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1825–1898

N.A.

Conrad Ferdinand Meyer

Tag, schein' herein! Die Kammer steht dir offen! Holdsel'ger Lenzesmorgen, schein' herein! Schon glitzert, von der Sonne Strahl getroffen, Das Tintenfaß, der eichne Bücherschrein.

Vogt Winter muß dem Lenze Rechnung geben, Dem schönen Erben über Hof und Haus — Auch mir zu gut geschrieben ist ein Leben — Tag, schein' herein und, Leben, flieh hinaus!

Ich war von einem schweren Bann gebunden. Ich lebte nicht. Ich lag im Traum erstarrt. Von vielen tausend unverbrauchten Stunden Schwillt ungestüm mir nun die Gegenwart.

Aus dunkelm Grunde grüne Saat zu wecken Bedarf es Sonnenstrahles nur und Thaus, Ich fühle wie sich tausend Keime strecken. Tag, schein' herein und, Leben, flieh hinaus!

Ein Segel zieht auf wunderkühlen Pfaden, In Flutendunkel spiegelt sich der Tag. Was hat die Barke dort für mich geladen? Vielleicht ist's etwas das mich freuen mag!

Entgegen ihr! Was wird die Barke bringen Durch blauer Wellen freudiges Gebraus? Entgegen ihr! Mit weitgestreckten Schwingen! Tag, schein' herein und, Leben, flieh hinaus!

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