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1861

Mein Stern

Conrad Ferdinand Meyer

Oft in meinem Abendwandel hefte Ich auf einen schönen Stern den Blick, Zwar sein Zeichen hat besondre Kräfte, Doch bestimmt und zwingt er kein Geschick.

Nicht geheime Winke will er geben, Er ist wahr und rein und ohne Trug, Er beseliget und stärkt das Leben Mit der tiefsten Sehnsucht stillem Zug.

Nicht versteht er Gottes dunkeln Willen, Noch der Dinge letzten ew'gen Grund, Wunden heilt er, Schmerzen kann er stillen Wie das Wort aus eines Freundes Mund.

In die Bangnis, die Bedrängnis funkelt Er mit seinem hellsten Strahle gern, Und je mehr die Erde mählich dunkelt, Desto näher, stärker brennt mein Stern.

Holder, einen Namen wirst du tragen, Aber diesen wissen will ich nicht, Keinen Weisen werd ich darum fragen, Du mein tröstliches, mein treues Licht!

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