Skip to content
1861

LXIIIAnzeige

Conrad Ferdinand Meyer

Mein Ende steht bevor! Mir hat geahnt. Mich hat mein Franz der Sickingen gemahnt. Ich saß im abendstillen Kämmerlein Just zwischen Tageslicht und Ampelschein –

Stracks ging ein Reutersmann durch mein Gelaß. Er trug ein rot Barett. So schien er blaß.. Ha, Sickingen, du bist's, mein Kampfgespan! An meine Brust, du redlicher Kumpan!

Da log Frau Fama wieder einmal dreist! Sie rief ins Land, daß du getötet seist. Du lebst, mein Vielgetreuer! Du entrannst! Ich gönne dir's, daß du noch fechten kannst...

Er schwieg. Ich sah des Auges mindre Glut, Das sonst so trutzig drohte unterm Hut. Doch schaut' er selig, da die Schattenwelt Für einen Helden keine Schmach enthält.

An mir vorüber schritt er ohne Wort Und wandte noch sich an der Schwelle dort. Und winkte mir gelassen mit der Hand, Als wollt er sagen: Komm nun! – und verschwand.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
LXIIIAnzeige · Conrad Ferdinand Meyer · Poetry Cove