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1861

LVDas fallende Laub

Conrad Ferdinand Meyer

Heut klang ein Beil den ganzen Morgen laut Und bis zum Abend fort. Der Schaffner baut. Ein Vordach nur, doch mocht ich's gerne sehn, Ist's doch ein Werden, ist's doch ein Entstehn!

Da war ein Zimmrer, der es wacker trieb Und seinen Balken säuberlich behieb. In guten Treuen mühte sich der Mann, Daß ihm das Wasser von der Stirne rann.

Am Abend kam der Zimmermeister leis, Mit langgelocktem Bart ein güt'ger Greis, Und rührt' dem Knecht, der nimmer wollte ruhn, Die Schulter mahnend: „Lieber, feire nun!“

Jetzt ward die Stätte leer; ich aber schlich Hinaus und auf den Balken setzt ich mich. Betrachtend das behaune Tannenstück, Dacht ich ans eigne Tagewerk zurück...

Ich starrte nieder, der Gedanken Raub, Da traf die Schulter mir ein fallend Laub. Mich schauderte, da ich das Blatt gespürt, Als hätte mich des Meisters Hand berührt

Und mich gemahnt: Genug! Die Sonn ist fern, Geh ein, du Knecht, zur Ruhe deines Herrn!

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