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1861

LIDer Pfarrer

Conrad Ferdinand Meyer

Ein müdes Ruder rauscht. Der Pfarrer kehrt Zurück, mit einem Pflanzenbund bewehrt. Hier hoch am Etzel wächst ein kräftig Kraut, Davon er mir ein heilsam Tränklein braut.

Noch weht die Abendluft nicht allzu frisch – Im Freien rüst ich beiden uns den Tisch. Hieher! Dir ist gedeckt! Nimm's nicht genau! Noch fehlt die Wirtin auf der Ufenau.

Trotz deinem grauen Barte mußt du frein! So reihst du dich der neuen Pfaffheit ein! Ob diese neue Pfaffenart gedeiht Und was sie taugt, ist ein Problem der Zeit...

– „Der neuen Pfaffheit wünsch ich alles Heil, Mir selbst erkür ich doch ein ander Teil. Mich treibt's aus meinem kirchlichen Beruf Hinaus zu Dem, der mich ernährt und schuf,

Der heute noch gelind auf Erden geht, Von seinem Blauen Mantel weit umweht. Der Kirche schwere Fragen sind verwirrt, Und ewiglich verdammt ist, wer sich irrt.

Die laß ich ohne Harm auf sich beruhn Und halte mich zu meinen Pflanzen nun. Die Körper heilen sei mein künftig Amt, Zur Sühne, daß ich Seelen einst verdammt!

Ein großer Arzt, der hier im Land verkehrt, Hat mich der Kräuter stille Kraft gelehrt. Von Paracelso habt Ihr, Ritter, schon Gehört, der Mutter Erde Lieblingssohn,

Dem sie geschäftig ihre Horte zeigt, Dem plaudernd kein Geheimnis sie verschweigt? Unfern von hier am Etzel hält er Haus. Ich sandte neulich einen Boten aus

Und lud nach Ufenau den Wundermann Und tröste mich, daß er Euch helfen kann. Ihr zuckt die Achseln... Seine Kunst ist groß, Und, Ritter, Ihr seid gar zu glaubenslos!“

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